Erlebe Spaß im Umgang mit schwierigen Menschen!

Vor fast drei Monaten habe ich mich in ein neues Abenteuer eingelassen. Ich habe einen temporären Job in einem Hotel in den Schweizer Alpen angefangen. Schon lange war es mein Wunsch endlich näher an der Natur zu leben, also habe ich diese Chance sofort ergriffen. Nach fast acht Jahren für dieselbe Agentur in Amsterdam gearbeitet zu haben, war ich bereit für eine Veränderung. Schon vor Arbeitsbeginn wurde ich gewarnt, dass es ein paar schwierige Mitarbeiter gab im Hotel, aber gab es die nicht überall?

Mir wurde ganz schnell klar, dass die Situation in der Schweiz nicht zu vergleichen war mit der in den Niederlanden. Da ich ja für eine Agentur arbeitete, musste ich regelmäßig mit anderen Kollegen arbeiten. Außerdem arbeitete ich unregelmäßig und war oft in den Ferien. Aber fast das Wichtigste war, dass ich mit Kollegen zu tun hatte die meinen kulturellen Hintergrund teilten.

Jetzt arbeite ich in einem festen Team, wo praktisch jeder Vollzeit arbeitet. Viele von denen arbeiten schon seit 10-40 Jahren im Hotel. Und obwohl die wenigsten Schweizer sind, haben die meisten die schweizer Kultur schon angenommen, die im Vergleich zur holländischen recht traditionell ist. Die moderne Idee von Spaß am Arbeitsplatz hat seinen Weg noch nicht in alle Ecken des Schweizer Arbeitsleben gemacht….

Und so befinde ich mich als holländische Frau in einem traditionellen schweizer Hotel mit Mitarbeiter die sich tatsächlich als schwierig entpuppten. Wie die meisten Situationen die mir das Leben schenkt, enschloss ich mich dazu eine spirituelle Lektionen heraus zu ziehen. Ich muss ganz ehrlich gestehen, dass ich noch mitten im Prozess bin, aber ich merke dass es Wege gibt in denen es recht viel Spaß machen kann mit schwierigen Menschen umzugehen. Wie ich das mache werde ich dir in diesem Post erklären.

Achtsamkeit

Zuallererst habe ich angefangen die Mitarbeiter ganz achtsam zu beobachten. Wie verhalten sie sich in bestimmten Situationen? Wie gehen sie miteinander um? Was geben sie über sich selbst preis? Ich versuche wirklich nur zu beobachten, ohne zu urteilen. Wenn man Menschen mit einem neugierigen Auge beobachtest statt mit einem urteilenden Blick, wirst du zu überraschenden Erkenntnissen kommen. Statt ihrer Fehler wirst du ihre wahre Art erkennen die oft viel angenehmer ist und den Umgang mit der Person erheblich erleichtert.

Während ich den anderen beobachte, beobachte ich mich selbst auch ganz genau. Wie reagiere ich auf den anderen? Was denke ich über den anderen? Wie beeinflusst das unsere Beziehung? Was spüre ich wenn die Person in meiner Nähe ist? Natürlich versuche ich mich auch meinem Selbsturteil zu enthalten, was mich davon abhalten würde mein eigenes wahre Selbst zu sehen. Ich versuche auch keine Geschichten um meine Beobachtungen herum zu erfinden, ob nun positive oder negative, sondern wirklich nur Gefühle, Reaktionen und Gedanken zu beobachten. Diese achtsame Beobachtungen sind die Basis für die nächsten zwei Schritte.

Mitgefühl

Es wird dich wohl kaum überraschen, dass Mitgefühl eine große Rolle spielt im Umgang mit schwierigen Menschen. Mitgefühl hilft uns dabei zu sehen, dass es anderen manchmal genauso schlecht geht wie uns. Sie möchten auch nur geschätzt und geliebt werden, genau wie wir. Diese Erkenntnis ist sehr wichtig und sollten wir zu allen Zeiten im Hinterkopf behalten.

Während meiner Beobachtungen konnte ich ganz deutlich sehen, dass andere negativ reagieren wenn sie ängstlich oder unsicher sind. Oft wird dies Versteckt unter einer Maske von Arroganz, wodurch es nicht immer sofort sichtbar ist. Und deswegen ist die achtsame Beobachtung auch so wichtig. Nach und nach wirst du hören wie sich selbst negativ zu reden und die unter mehreren Ängsten leiden. Wenn du die zugrundeliegenden Probleme der Menschen verstehst, wird es dir einige Male einfacher fallen ihnen gegenüber wahres Mitgefühl zu zeigen.

Ich merkte schnell, dass die kritischsten Kollegen auch die unsichersten waren. Ihre Kritik hatte nichts mit mir zu tun, aber war ihre Art und Weise sich etwas besser über sich selbst zu fühlen. Ich nahm mir ihre Kritik also weniger zu Herzen und öffnete statt dessen mein Herz für ihre Kurzsichtigkeit bezüglich ihr eigenes Können.

Wir haben alle diese Unsicherheiten und Ängste und keiner sollte dafür verurteilt werden. Das bedeutet natürlich nicht, dass wir Beleidigungen oder sogar Missbrauch tolerieren sollten. Aber es bedeutet, dass wir anderen auf eine freundliche Art und Weise darauf weisen können wie wir behandelt werden wollen ohne den anderen weiter zu verurteilen. Es ist sogar äußerst wichtig seine Grenzen anzugeben und für sich selbst einzustehen. Nicht etwa um den anderen zu beschämen, sondern als Zeichen des Respekts. Weil ich sehe, dass der andere das Potenzial dazu hat andere gut zu behandeln und ich ihnen darauf weisen möchte, dass auch sie Zugriff haben zur Quelle der Liebe. Gewaltlose Kommunikation zwingt Menschen oft dazu über sich selbst nachzudenken und hilft ihnen dabei ihre eigene Kommunikation und Verhalten zu verbessern.

Selbstreflektion

Wie wir alle wissen, gehören immer zwei dazu. Was ist also meine Rolle in der Interaktion zwischen mir und den anderen? Um deine Probleme mit anderen zu verstehen, musst du erst dich selbst richtig gut kennenlernen. Ich spiegele mein Verhalten oft an den Menschen it denen ich mich gerade befasse. Wann habe ich mich ähnlich verhalten? Warum rührt mich dieses Verhalten gerade so? Was sagt meine Reaktion über mich aus? Wir können von jeder Interaktion wertvolle Lektionen lernen, wenn wir dazu bereit sind in uns selbst zu schauen.

Anfangs fand ich Introspektion sehr einschüchternd. Ich hatte Angst, dass die Begegnungen mit den ungewollten Aspekte meiner Selbst meinen Selbsthass verschlimmern würden. Zum Glück bewahrheitete sich genau das Gegenteil. Die Reise ich mich selbst führte mich nur zu mehr Mitgefühl für mich selbst, da ich ja auch mehr Mitgefühl für andere kultiviert hatte. Genau wie bei anderen, fiel mir das Mitgefühl für mich selbst leichter, da ich mich selbst besser verstand.

Ich war überrascht wie viel meine Selbstreflektion in Kombination mit Achtsamkeit über mich selbst preisgab. Mir wurde, zum Beispiel, bewusst, dass Kritik mich nur kränkte, wenn ein Teil von mir selber dran glaubte. Nur die offenen Wunden schmerzten wirklich. Hierdurch wurde mir klar an welchen Teilen von mir ich noch Arbeit zu erledigen hatte. Kritik funktioniert nur wenn wir uns selbst kritisieren. Und es ist nicht die Aufgabe anderer um uns nicht mehr zu kritisieren, sondern wir müssen aufhören uns selbst zu kritisieren.

Weiterhin fiel mir auf, dass alles wofür ich einen anderen verurteilte, ich entweder selber mache, gerne machen würde oder Angst habe zu machen. Und es ist oft etwas wofür ich mich selbst auch verurteile. Wenn ich aufhöre andere für gewisses Verhalten zu verurteilen, fällt es mir um einiges leichter mich selber für diese Merkmale zu verurteilen. Noch wichtiger: Ich beobachte diese Merkmale auch immer weniger in mir selbst. Es ist wirklich wunderbar wie das Universum funktioniert und die einzige Art und Weise das rauszukriegen, ist es selber zu probieren 😉  

Dein Ego wird höchstwahrscheinlich ständig versuchen dich davon abzuhalten und wird dich davor warnen, dass etwas mit den andere einfach nicht stimmt und dass sie ihr Verhalten nicht ändern werden, wenn du dein Urteil über sie fallen lässt. Es wird auch versuchen dir zu sagen, dass du das Recht dazu hast über sie zu urteilen, weil sie einfach schreckliche Menschen sind. Aber bringt dieses Urteil dich eigentlich irgendwo? Hast du jemals langfristige, positive Ergebnisse erzielt wenn du über jemanden geurteilt hast?

Wenn dies alles nichts nützt…

Wenn du die Person einfach nicht ausstehen kannst und es dir unmöglich erscheint ihn nicht zu verurteilen, stell dir dann einfach diese kurze Frage: Will ich wirklich meine Energie an diese Person verschwenden? Jemanden verachten und über ihn urteilen kostet Unmengen an Energie. Das ist eine Tatsache an die du nichts ändern kannst. Letztendlich verletzt du eigentlich nur dich selbst. Das nächste Mal wenn dich jemand nervt, sei dir bewusst von deiner Entscheidung ob du dein eigenes Wohlergehen dafür opfern möchtest oder nicht.

Mitgefühl und Verständnis sind der richtige Weg für alle Beteiligten, auch für dich selbst. Ich komme mittlerweile mit fast allen aus. Manchen mit denen ich am Anfang Schwierigkeiten hatte, komme ich sogar blendend aus. Die wirklich “schwierigen” Fälle haben sich dazu entschlossen gar nicht mehr mit zu reden, was mir auch ganz passt. Diese Menschen stehen darum bekannt andere anzuschreien und in aller Öffentlichkeit zu erniedrigen. Sie reden zwar nicht mit mir, schreien mich aber auch nicht mehr an und lassen mich in Ruhe.

Aber am Wichtigsten ist mir, dass meine Beziehung zu mir selber um einiges besser geworden ist. Ich bin viel mitfühlender mit mir selbst geworden und kann besser mit Kritik umgehen. Wenn ich mich jetzt dabei ertappe über andere zu urteilen, beobachte ich achtsam meine Gedanken und lenke sie sanft wieder zurück zu Mitgefühl und Selbstreflektion. Statt mich über diese Menschen zu ärgern bin ich ihnen jetzt dankbar dafür, dass sie mich daran erinnern das Glück in mir und nicht in anderen zu finden. Ich darf wieder einmal die Kraft meiner Selbstwirksamkeit erleben und fühle die Macht um weiterhin meine eigene Realität zu kreieren 🙂

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