Umgang mit den Schmerzen anderer

Wir spüren oftmals nicht nur unseren eigenen Schmerz aber auch den anderer, vor allem wenn sie uns naheliegen. Es kann aber auch passieren, dass der Schmerz eines wildfremden oder einer Bekanntschaft uns sehr nahe gehen kann. Mitgefühl zeigen ist eine schöne Eigenschaft, aber wenn der Schmerz anderer sich in unseren Schmerz verwandelt, sollten wir uns in Acht nehmen. In diesem Post beschreibe ich wie ich mit dem Schmerz anderer umgehe, damit ich nicht nur meinen Verstand nicht verliere, sondern auch meine Beziehung zum anderen verbessern kann.

Lass die Kontrolle los

Zuallererst musst du dir bewusst sein, dass du die Gefühle eines anderen nicht kontrollieren kannst. Aus eigener Erfahrung wirst du wissen, dass es schön ist jemanden zu haben der einem zuhört und unterstützt, aber letztendlich liegt die Verantwortlichkeit über deine Gefühle gänzlich in deinen eigenen Händen. Wenn man versucht die Gefühle eines anderen zu kontrollieren, kann dies bei beiden Illusion erwecken, dass es möglich ist. Langfristig wird dies aber niemals der Fall sein.

Die Funktion des Schmerzes zu akzeptieren, kann hilfreich sein im Prozess des Loslassens. Schmerz kann uns nämlich helfen mit unseren emotionalen Wunden umzugehen, indem es uns zeigt wo diese genau sind. Ohne den Schmerz würden wir nicht wissen welcher Teil von uns mehr Aufmerksamkeit braucht um geheilt zu werden. Heilung kann nämlich nur stattfinden wenn wir uns selbst wirklich Aufmerksamkeit schenken. Egal was wir in unserem Inneren beobachten, wir sollten es liebevoll akzeptieren.  

Egal wie gut gemeint unsere Absichten sind, wenn wir anderen ihren Schmerz nicht spüren lassen wollen, senden wir unterbewusste Signale, dass irgendetwas mit ihnen nicht stimmt. Dabei ist doch nichts verkehrt damit emotional zu sein, oder? Unsere Emotionen sind normal und gesund. Wie gesagt, sie können uns sogar in unserem Wachstumsprozess unterstützen, vorausgesetzt wir gehen richtig damit um. Wenn wir jemandem von seinem Schmerz erlösen wollen, könnten wir ihm auch seine Chance zu lernen und zu wachsen nehmen.

Jeder hat seine eigene Art und Weise mit Schmerzen umzugehen und jeder ist bei einem anderen Stadium seiner persönlichen Entwicklung. Indem wir akzeptieren, dass es nicht unsere Aufgabe ist die Gefühle anderer zu kontrollieren, besparen wir uns nicht nur sehr viel Energie, sondern verbessern wir womöglich die Beziehung zum Menschen dem wir versuchen zu helfen.

Aber was könnte ich denn machen um dem anderen zu helfen?

Heile erst dich selbst

Heile dich selbst und sei ein gutes Beispiel. Ich bin davon überzeugt, dass anderen ein Beispiel zu sein die beste Art ist um anderen etwas beizubringen. Meine Mutter zwang mich in meiner Pubertät regelmäßig dazu Yoga zu machen und zu meditieren. Diese Methode funktionierte natürlich überhaupt nicht und ich fing bald an alles was mit Yoga und Meditation zu tun hatte zu verachten. Zum Glück realisierte sie sich das auch schnell und hörte auf mich zu meinem Glück zu zwingen. Fast zehn Jahre später, fing ich trotzdem an Yoga und Meditation zu praktizieren. Zu dieser Zeit war ich schon lange aus dem Haus raus und lebten wir sogar in andere Länder. Der Grund meiner Meinungsänderung hatte damit zu tun, dass ich beobachtete welche Wirkung Yoga und Meditation auf meine Mutter hatten. Seit sie damit angefangen hatte ist sie allmählich transformiert. Ich habe meine Mutter immer als deprimiert, unsicher und energielos wahrgenommen. Aber plötzlich war sie voller Energie und so glücklich wie noch nie, immer mit einem wunderschönen strahlendem Lächeln auf ihren Lippen. Viele meiner Freunde bemerkten, dass sie “speziell” sei und wie wohl sie sich bei ihr fühlten.

Dieser dramatische Wandel meiner Mutter half mir bei meinem eigenen Leiden. Auch ich fing an den spirituellen Weg zu gehen als ich in einer sehr schmerzhaften Lebenssituation war. Ich wusste, dass meine Mutter selber schon viel von ihrem Leiden überwunden hatte, also  war sie (und ist sie immer noch!) die Erste die ich um Ratschläge und Hilfe bat. Natürlich gab sie mir Ratschläge die ich nicht hören wollte, aber tief von innen wusste ich aber, dass es stimmte. Wie hätte meine Mutter sonst so transformieren können? Schritt für Schritt nahm ich ihre Ratschläge und auch mein Schmerz fing an sich zu lindern.

Kein Mitleid, sondern Liebe

Wie fühlst du dich wenn jemand dich bemitleidet? Anfangs fühlt es sich an als wäre jemand für dich da der dich versteht. Aber beschleicht dich auch nicht auch bald das Gefühl der andere würde nicht an deinen Stärken glauben? So fühl ich mich auf jeden Fall, was auch der Grund dafür ist, dass ich mich lieber auf die Stärken anderer konzentriere.

Jemanden zu bemitleiden ist auch eine Art und Weise sich gegen seine Schmerzen zu widersetzen und ihm zu zeigen, dass etwas mit ihm nicht stimmt. Sie spüren, dass du nicht daran glaubst, dass sie den Weg nach oben schaffen werden. Vor allem für Menschen mit einem niedrigen Selbstwertgefühl ist dies eine sehr schädigende unterbewusste Nachricht.

Statt andere zu bemitleiden, könntest du ihnen Mitgefühl und Liebe zeigen. Du könntest einfach liebevoll für die Person da sein, ihren Worten lauschen und ihnen Hilfe bieten wenn sie dich danach fragen. Das tut vielen oftmals viel besser als die Bestätigung, dass sie in der Tat “arme Säue” sind und du dich jetzt wegen ihnen auch schlecht fühlst.

Sobald du die Weisheit und ungeahnte Kraft des anderen entdeckt hast, wirst du ihn nicht nur anders behandeln, du wirst auch bemerken, dass ihr Schmerz dir nicht mehr weh tut. Du wirst wissen, dass sie durch einen normale Erfahrung gehen, die ihnen helfen wird Lebenserfahrungen und persönliche Kraft zu sammeln. Du wirst die dabei beobachten wie sie ihre Gefühle mit Liebe und Stolz meistern und sie langsam ihren Schmerz in Freude und innerlichen Frieden transformieren.

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