Spirituelle Fallgrube: Positives Denken

“Positives Denken” ist wahrscheinlich eines der bekanntesten Konzepte aus der Spiritualität. Das ist auch der Grund warum viele sich zur Spiritualität hingezogen fühlen (dann ist man doch durchgehend glücklich?). Zur gleichen Zeit ist das auch genau der Grund weshalb viele sich von der Spiritualität fernhalten. Diese Menschen spüren instinktiv, dass “durchgehend glücklich sein” einfach nicht machbar ist. Wie sollte man dieses Konzept dann interpretieren?

Positivität als Endresultat

Negative Gefühlen tun sich einfach auf, wie wir alle wissen. Wenn du meinen letzten Post gelesen hast, dann wirst du wissen, dass es sogar notwendig ist. Positivität ist also grundsätzlich ein kontinuierlicher Ausgangspunkt. Wir fühlen uns alle mal schlecht und das ist total ok so.

Nichtsdestotrotz, fühlen sich viele Menschen auf dem spirituellen Weg wie ein Versager, wenn negative Gefühle sich auftun. Sie denken ihr Ego hätte die Kontrolle übernommen. Das mag stimmen, aber seine eigenen negativen Gefühle nicht anzuerkennen, zeugt von noch mehr Ego-Kontrolle.

Negative Gefühle sind normal und sollten akzeptiert werden. Im Grunde genommen, brauchst du nur deinen Schmerz zu fühlen, nicht mehr. Drücke das Gefühl nicht weg damit du es mit einem positiven ersetzen kannst. Das positive Gefühl kann eh erst kommen, wenn du den Schmerz wirklich spürst und akzeptierst. Das heißt, dass das Endresultat ein positives Gefühl ist, was aber nicht bedeutet, dass du das negative Gefühl vom Anfang an manipulieren musst.

Sich positiv fühlen statt positiv denken

Wie ich schon erwähnte wirst du dich automatisch besser fühlen wenn du deinen negativen Emotionen Raum gegeben hast. Dieses Gefühl kommt aus einer Akzeptanz und Anerkennung des Hier und Jetzt heraus. Du brauchst dafür deine Gedanken nicht umzustellen.

Deine Gedanken können einen positiven Einfluss haben auf dein Gefühl, aber bloße Gedanken werden dir nicht weiterhelfen. Wenn du im Hier und Jetzt angekommen bist und du einfach alles spürst was in aufkommt (auch das Negative), wirst du dich automatisch leichter und glücklicher fühlen Negative fühlen neigen dazu zu verschwinden, wenn wir unsere negativen Gedanken loslassen, das bedeutet allerdings nicht, dass wir uns zwangsläufig eine positive Geschichte erzählen müssen.

Wenn, zum Beispiel, mein Freund mich verlässt, brauch ich nicht unbedingt eine Liste aller positiven Aspekte der Situation zu machen. Solange wie du nicht spürst, dass es dir ohne ihn besser geht, würdest du dich nur selbst belügen. Spüre einfach den Schmerz und versuche ihn nicht wegzudrücken mit deiner Positivität.

Wir sind es so gewohnt bestimmte Resultate kontrollieren zu wollen, dass wir viel Energie damit verschwendem uns dem Hier und Jetzt zu widersetzen. Meiner Meinung nach sind kompulsiv positive Selbstgespräche eine Form der Kontrolle und des Widerstands. Der Wahrheit zu widersetzen ist Energieverschwendung und lässt uns nur leer ausgehen. Es ist eine unheimliche Erleichterung diesen Widerstand loszulassen, was uns letztendlich zu einem besseren Gefühl führen wird. Aber dazu wirst du die Negativität erst willkommen heißen müssen.

Verwechsle nicht das Loslassen des Widerstands mit Passivität. Du kannst dich immer dazu entscheiden deine Situation zu akzeptieren und es mit ganzem Herzen zu spüren, was nicht bedeutet, dass du unweigerlich in dieser Situation bleiben musst. Du solltest akzeptieren, dass du in diesem Moment in der Situation bist, nicht für immer. Aber das ist wieder eine andere spirituelle Fallgrube, worüber ich vielleicht ein anderes Mal schreiben werde.

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