Heile deinen Perfektionismus

Meiner Meinung nach ist es sehr wichtig einen kritischen Blick auf Perfektionismus zu werfen. Warum? Weil es einer der fiesen Charaktereigenschaften ist welche sich als Tugend ausgeben. Leute scheines es fast schick zu finden ein Perfektionist zu sein und geben es oft als eine ihrer Schwächen beim Bewerbungsgespräch an. Es ist trotzdem eine richtige Schwäche und wir sollten sie auch ein solches behandeln.

Wenn wir uns allen davon bewusst wären, dass Perfektionismus nichts mehr als des Egos Tarnung unseres niedrigen Selbstbewusstseins, wäre das ganz schon um einiges weniger glamourös. Dieses mangelnde Selbstbewusstsein blockiert letztendlich nur den freien Fluss unseres höheren Selbst, unsere Produktivität und unsere Kreativität. Leider ist unser Ego sehr gut darin uns vom Mehrwert dieser Eigenschaft zu überzeugen. In diesem Post zeige ich dir, dass das nicht der Fall ist und werde dir Wege zeigen dich langsam zu heilen und deine Kraft wieder für dich zu gewinnen.

Was ist ein Perfektionist?

Fangen wir mal damit an einen Unterschied zu machen zwischen einem Perfektionisten und jemandem der einfach nur sein Bestes geben möchte. Der wichtigste Unterschied ist, dass ersterer aus externen Beweggründen handelt, letzterer aus internen.

Es kann schwierig sein herauszubekommen was nun wirklich unserer Beweggründe sind, darum ist es unheimlich wichtig nach innen zu spüren. Der potenzielle Perfektionist kann sich fragen: Wie viel Druck lege ich auf mich selbst? Wie realistisch sind meine Ziele? Wie gehe ich mit Misserfolgen um? Kann ich dankbar sein für die kleinen Erfolge? Die wichtigste Frage ist aber: Würde ich es noch machen wenn ich der letzte Mensch auf Erden wäre? Und wie würde ich es dann machen?

Dem Perfektionismus liegt ein niedriges Selbstbewusstsein zugrunde. Die Person braucht also externe Bestätigung um sich würdig zu fühlen. Je niedriger das Selbstbewusstsein umso mehr wird sich die Person bemühen die Bestätigung zu finden. Es ist ein langer Weg der letztendlich zu nichts führt. Ausser vielleicht einem Burnout oder einer Depression.

Gefahren des Perfektionismus

Der Perfektionismus ist gefährlich und kann ein Teufelskreis werden. Perfektionisten setzen sich unrealistisch hohe Ziele die sie offensichtlich nie schaffen werden. Dadurch fühlen sie sich schlecht über sich selbst und erhöhen ihre Selbstkritik. Um allen anderen zu beweisen, dass sie etwas Wert sind, setzen sie sich wieder lächerlich hohe Ziele und die Geschichte fängt wieder von vorne an.

Dieser Zyklus belastet die Person mit unheimlich viel Druck und interessanterweise denken sie, sie könnten den Schmerz lindern indem sie sich nur noch ein bisschen mehr Mühe geben. Der Druck lähmt sie aber nur und bringt sie nur dazu ihre Aufgabe auszustellen. Immerhin möchte er ja nur Perfektes liefern. Aber letztendlich ist es nie perfekt. Und es ist nie fertig. Auf diese Art und Weise braucht der Perfektionist nicht nur erheblich mehr Zeit um Sachen zu erledigen, er verpasst auch Chancen zum Wachsen und Lernen.

Meiner Meinung nach ist das auch heimlich das Ziel des Egos: nicht wirklich erfolgreich sein. (Das bedeutet nicht, dass der Perfektionist schlechte Arbeit liefert, es bedeutet dass sie ihre Arbeit nicht zu ihrem vollsten Potenzial erfüllen.) Das Selbstbewusstsein ist so niedrig, dass es am Liebsten gar nicht gesehen wird.

Im Rampenlicht zu stehen kann sehr beängstigend sein für eine unsichere Seele die sich selbst nicht vertraut. “Kann ich damit umgehen gesehen zu werden? Bin ich dazu imstande durchgehend erfolgreich zu sein? Vielleicht ist es sicherer in meinem Versteck zu bleiben wo niemand jemals herausfindet wie wertlos ich eigentlich bin…” Offensichtlich ist dies nicht unbedingt das Traumszenario unseres Bewusstseins und unseres höheren Selbst. Also, was können wir dagegen tun?

“Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind. Unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich machtvoll sind. Es ist unser Licht das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit.”


Nelson Mandela

Perfektionismus heilen

Da ich selber ein Perfektionist bin, weiß ich wie schwierig ist von diesem Gift zum Erfolg zu heilen. Es brauchte mich sogar recht lange bis ich mir eingestehen konnte, dass ich daran leide. Ich gab oft etwas auf bevor ich überhaupt probierte oder lieferte mittelmäßige Arbeit ab, nur damit ich eine Rechtfertigung dafür hatte, dass es anderen nicht gefällt. Deswegen dachte ich auch kein Perfektionist zu sein. Aber meine interne Dialoge und die Symptome sprechen deutlich dafür, dass ich einer bin. Um mich selbst zu heilen, benutze ich verschiedenen Methoden die mir helfen mit diesem Problem umzugehen.

#1 Mache Fortschritt statt Perfektion nacheifern

Statt immer nur alles perfekt machen zu wollen, ist es mein Ziel geworden Fortschritt zu machen. Ich urteile nicht mehr darüber wie gut etwas ist, sondern ob ich es besser gemacht habe als ich zuvor getan hätte. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich nicht mehr mein Bestes gebe. Es ist nur eine Art und Weise meine Ziele umzubenennen um mein perfektionistisches Verhalten zu verhindern. Die Chance ist größer, dass ich stolz auf mich bin und zufrieden bin, wenn ich etwas erreicht habe, statt alles erreicht zu haben. Statt mich energielos und unmotiviert zu fühlen, weil ich der Perfektion nacheifere (was ist Perfektion überhaupt?!), fühle ich mich dankbar für die kleinen Schritte die ich vorwärts mache.

#2 Fertig ist besser als perfekt  

Der erste Punkt führt uns unweigerlich zum Zweiten. Wenn ich einen Fortschritt gemacht habe, betrachte ich die Arbeit als fertig. ls Perfektionist neigt man dazu solange an etwas zu arbeiten, bis es perfekt ist, dass es dann nie fertig ist. Aber ist besser etwas zu haben als nichts.

#3 Versagen gleicht Wachstum

Dies führt mich automatisch zum nächsten Punkt. Von Misserfolgen lernen wir am meisten, wahrscheinlich weil es weh tut. Aber ich kann nur versagen, wenn ich meine Arbeit an die Öffentlichkeit bringe, auch wenn es meiner Meinung nach noch nicht ganz fertig ist. Die Menschen denen ich an meine Arbeit teilhaben lassen, können mir wertvolles Feedback geben, welches mir dabei hilft weitere Fortschritte zu machen. Letztendlich ist die Reise das Ziel. Das bringt uns wieder zum ersten Punkt: Fortschritte machen statt Perfektion nacheifern.

#4 Der schlimmste Fall vs. der beste Fall  

Wenn ich wirklich fest stecke mache ich oft eine kleine Übung: Ich stelle mir den schlimmsten und den besten Fall vor. Was würde passieren wenn ich Arbeit abgebe welches noch nicht perfekt ist? Was würde passieren wenn Menschen es hassen? Was wenn sie es lieben? Was ist das Ziel meiner Arbeit? Werde ich es erreichen wenn ich weiterhin ein Perfektionist bleibe?

Diese Fragen und ähnliche stelle ich mir selber. Die Antworten schreibe ich auf. Ich bin ein großer Fan vom Schreiben. Die Information bleibt besser hängen und außerdem tun sich während des Schreibens oft viele neue Erkenntnisse auf, die mir davor nicht bewusst waren. Zu Guter Letzt stelle ich mir eine endgültige Frage: Was bedeutet mir mehr: der Schmerz des schlimmsten Falles oder die Freude des besten Falles?

Mir diese Fälle vorzustellen hilft mir dabei die Realität zu konfrontieren. Ich bringe dann die Sachen in die richtige Perspektive und realisiere mir dann, dass das Festhalten an meinem Perfektionismus mich vielleicht davor beschützt meinen schlimmsten Fall zu erleben, aber zur gleichen Zeit ermöglicht es mir auch nicht meinen besten Fall zu erleben.

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