HILFE! Ich habe mich in einen netten Kerl verliebt!

Im letzten Jahr habe ich schon einen Post geschrieben wie ich aufgehört habe mich in der Liebe mit weniger zufrieden zu geben und ich mir endlich einen netten Mann angelacht habe. Ich wünschte ich könnte sagen: Und sie lebten glücklich, bis ans Ende ihrer Tage. DAS ENDE. Aber das war noch nicht der Fall.

Wie in jedem guten Märchen, gab es natürlich ein Monster das sich zwischen die beiden frisch verliebten drängte. Normalerweise ist es die Aufgabe des Prinzen das böse Monster zu bekämpfen. Aber in diesem Märchen war das meine Aufgabe. Und das Monster war ICH. Wie immer.

Seit ich auf dem spirituellen Pfad bin habe ich so etliche Kämpfe geführt. Ich habe erfolgreich die “schlechten Männer” bekämpft, habe gelernt mit ihnen umzugehen und mich nicht mehr in sie zu verlieben.

Wie viele Kämpfe musste ich denn noch führen?  

Allen Anschein nach noch viele. So ist das Leben. Nach meinen Sieg über die schlechten Männer war es jetzt an der Zeit zu lernen wie man mit einem netten Kerl umgeht.

Jetzt bist du sicherlich verwirrt. Was soll denn so schwierig daran sein einen gesunden Partner zu haben? Wollen wir das nicht alle?

Wenn wir Menschen immer rational wären, würde ich diesen Artikel nicht schreiben. Mein kompletter Blog wäre dann überflüssig. Ich bin irrational. Und ich bin nicht die einzige. Ich weiß, dass es etliche Menschen gibt die das was ich sage sehr gut nachvollziehen können. Du wahrscheinlich auch. Warum liest du denn sonst diesen Post?   

Mit einem guten Mann zusammen sein kann manchmal genauso konfrontierend sein wie mit einem “bad guy”. Manchmal kann es sogar frustrierender sein, weil wir nicht genau wissen wo das Problem liegt. Uns fehlt oft der Funke und die Leidenschaft die wir bei Mr. Unerreichbar erfahren. Andererseits haben wir auf Papier genau was wir immer gewollt haben…Was fehlt uns denn genau? Warum ist diese theoretisch simple Beziehung in der Praxis so verdammt schwierig?

Zum Glück habe ich eine gute Nachricht für dich: Wir zwar irrational, handeln jedoch nicht grundlos. Es gibt immer einen tieferliegenden Grund für unser Verhalten. Und wenn wir diesen Grund herausfinden, finden wir auch den Weg zur Heilung der uns eventuell davon abhält vor einem super Mann wegzulaufen…

(Bevor ich anfange: “nette Mädels” gibt es natürlich auch. Der Einfachheit halber werde ich aber trotzdem weiterhin auf den “netten Kerl” verweisen.)

Fangen wir an mit einer essentiellen Frage:  

Was ist ein “netter Kerl”?

Es gibt einen riesigen Unterschied zwischen einem echten netten Kerl und einer der sich nur als einer vorgibt. Ein echter netter Kerl ruht in seiner Mitte und liebt sich selbst. Es fällt ihm nicht schwer Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Zuneigung zu zeigen. Die Kommunikation ist unkompliziert und flüssig. Er sendet keine “verschlüsselten Nachrichten” die man mühsam interpretieren muss und lässt auch nicht tagelang auf sich warten mit einer Antwort. Du brauchst sein Verhalten nicht zu hinterfragen da er im Allgemeinen vertrauenswürdig und durchschaubar ist.

Sei dir davon im Klaren, dass ein netter Kerl nicht zwangsläufig alles macht was du möchtest. Im Gegenteil. Er machte was er möchte. Weil er sich selber liebt. Und er weiß, dass es sinnlos ist etwas nur deinetwegen zu machen. Liebevolle Taten entspringen der Liebe, nicht Schuldgefühl, Druck oder Angst. Oder Eigennutz.  

Und genau da liegt der Unterschied mit dem “unaufrichtigen” netten Kerl. Auf den ersten Blick könnte man meinen es wäre ein netter Kerl: er gibt dir Aufmerksamkeit, Wertschätzung und Zuneigung. Er liest dir jeden Wunsch von den Augen ab und beteuert dir fortwährend seine Liebe in dem er regelmäßig Kontakt sucht.

Aber sein Verhalten schließt nicht zurück auf seine liebevolle Natur, sondern auf sein niedriges Selbstwertgefühl. Er denkt er wäre der Liebe nur würdig, wenn er genug “Punkte” gesammelt hat. Im Grunde genommen handelt es sich also nur um ein Handelssystem: Ich gebe dir Liebe, wenn du mir mir Liebe gibst. Ohne deine Liebe fühle ich mich nämlich wertlos und ich brauche jemanden der mir das Gefühl gibt wertvoll zu sein. Und das bist du. Er schenkt dir nicht nur einen Haufen unechte Liebe, sondern belastet dich zusätzlich noch mit Erwartungen. Herzlichen Glückwunsch, du bist jetzt verantwortlich für sein Selbstwertgefühl! Da sein Selbstwertgefühl so niedrig ist neigt er dazu sehr empfindlich zu sein. Du musst dich also sehr davor hüten es nicht zu zerbrechen. Um nicht eine Welle des Selbstmitleids in deinem Partner auszulösen, wirst du schon bald auf Eiern laufen und wird der Umgang sich gekünstelt anfühlen.

Mache dir also erstmal bewusst mit was für einen Typen du es zu tun hast. Wenn du den zweiten Typen in deinem Partner erkennst sind deine Gefühle der Unzufriedenheit vielleicht durchaus berechtigt. Rede mit deinem Partner und sucht nach Wegen damit umzugehen. In diesem Fall müsst ihr deutlich beide noch Arbeit leisten.

Wenn dein Partner aber eher dem ersten Typ gleicht, dann wirst du die meiste Arbeit machen müssen. Es jetzt an der Zeit deine innerlichen Dämonen zu bekämpfen. Natürlich wird dein Prins auch nicht perfekt sein, aber jetzt konzentrieren wir uns erstmal darauf was du machen könntest um dem netten Kerl eine realistische Chance zu geben.

Aktualisiere dein Hirn

Ich erinnere mich noch sehr gut an meine erste Panikattacke in der neuen Beziehung. Wir hatten gerade zum ersten Mal mehr als eine Woche zusammen verbracht und waren zusammen im Urlaub. Die gemeinsame Zeit war wunderbar! Wir hatten unheimlich viel Spaß und ich spürte förmlich wie wir uns immer näher kamen.

Dann ging ich wieder zurück nach Hause (wir wohnten 2.5 Stunden voneinander entfernt). Als ich wieder zuhause war genoss ich es unheimlich meine Freunde wieder zu sehen und ihnen von meiner blühenden Romanze zu erzählen. Ich genoss es so sehr, dass mir plötzlich auffiel, dass er mir gar nicht fehlte. Das Leben mit ihm war eigentlich genauso angenehm wie ohne ihn. Die Idee ihn wiederzusehen machte mich zwar froh, aber in dem Moment war es mir eigentlich egal, dass er nicht da war. Dieses Gefühl war ich noch nicht gewohnt.

Normalerweise vermisste ich meine Partner ständig. Die Tatsache, dass mir das plötzlich fehlte machte mir Sorgen. Das konnte nicht normal sein! Ich musste ihn vermissen, sonst konnte das ja nur bedeuten, dass ich ihn nicht wirklich liebte. Mein Herz klopfte wie verrückt während ich mir überlegte wie ich dem armen Mann erklären sollte dass es schon bald wieder vorbei war.

Zum Glück begrenzte sich dieses interne Gespräch nur auf ein paar Minuten. Mir war klar, dass etwas nicht stimmte und ich entschloss mich dazu zu meditieren und meine Gedanken zu beobachten statt mich darauf einzulassen.

Meine Gedanken:

“Das kann einfach nicht stimmen. Ich habe schon mehrere Partner gehabt um zu wissen, dass es nicht normal ist sich so zu fühlen wenn man verliebt ist. Normalerweise denk ich doch ständig an meine Partner. Ich frage mich wo er ist, was er macht, ob er an mich denkt…Und jetzt kommt es mir vor als wäre es mir egal ob er an mich denkt oder nicht. So gehört es sich einfach nicht!”

Nachdem ich dieses Gespräch achtsam verfolgte, fing ich an mich zu fragen was denn eigentlich “normal” ist? Wer definiert was “normal” ist in einer Beziehung? Mir wurde sofort klar, dass meine Ex-Beziehungen alles andere als normal waren! Wollte ich wirklich diese lausige Beispiele als Maßstab für eine gesunde Beziehung nehmen? Wohl eher nicht…

Gedanklich ging ich wieder zurück zu meinen vergangenen Beziehung und holte das damalige Gefühl von “Liebe” und “vermissen” zurück in mein Gedächtnis. Überrascht stellte ich fest dass das Gefühl nicht so viel mit Liebe zu tun hatte und mehr mit Schmerzen! Ich “vermisste” meine Partner nicht, ich machte mir sorgen. Ich hatte Angst sie würden mich nicht wirklich lieben, malte mir aus wie sie sich gerade mit ihrer Affäre treffen und fragte mich ob es wirklich jemals eine realistische Chance auf eine gemeinsame Zukunft gab. Wenn ich nicht in ihrer Nähe war hatte ich Angst ich würde die Kontrolle über sie verlieren….

Mir wurden meine masochistische Tendenzen in Beziehungen peinlich bewusst. Ohne den Schmerz fühlte sich eine Beziehung irgendwie nicht echt an, als wären Liebe und Schmerz unzertrennlich. Aber die Zeiten hatten sich geändert. Ich entschloss mich dazu mein Gehirn ein Update zu geben: Liebe steht nicht mir gleich an Schmerz, sondern an Respekt, Vertrauen und Freiheit.

Integriere den Update  

Leider die Arbeit mit einer simplen Aktualisierung des Hirns nicht getan. Nochmals: Wir sind nicht so rational wie wir denken. Obwohl mein Hirn die neueste Version von LIEBE heruntergeladen hatte, war ich immer noch nicht geheilt.

Ich wusste doch jetzt das Liebe um Respekt, Vertrauen und Freiheit drehte? Und wusste ich nicht mittlerweile auch, dass ich Liebe verdient habe? Aber ein Teil von mir hatte es anscheinend immer noch nicht kapiert. Genau in dem Moment wo mir mein Partner Liebe und Respekt zeigte und er mir das Gefühl vermittelte der Liebe vollkommen wert zu sein, brach ich in Tränen aus.

Ja, meine einzige Reaktion auf die netten Gesten meines Partners war eine Flut von Tränen… Mir kam es alles zu viel vor, als hätte ich all das gar nicht verdient. Ich konnte einfach nicht damit umgehen, dass mein Partner mich fortwährend akzeptierte wie ich war. Ich suchte sofort nach Wegen wie ich mich bei ihm revanchieren konnte, aber mir fiel einfach nichts ein. Da ich nicht mal etwas zurückgeben konnte, fühlte ich mich noch wertloser und unwürdiger. So schlecht hatte ich mich in Zeiten nicht mehr gefühlt…

Was war schief gegangen? Was war mit dem Update passiert? Wo war das fehlende Glied?

Das fehlende Glied war der Grund für mein Verhalten: mein Inneres Kind. Von Anfang an war das der Grund gewesen für meine falschen Glaubenssätze bezüglich der Liebe und war auch der Grund weshalb ich mich so wertlos gefühlt habe.

Ich hatte probiert ein irrationales, emotionales Problem mit Rationalität zu lösen. Das mag zwar ein toller Anfang sein, aber um wirklich zu heilen und uns zu verändern, müssen wir emotionale Arbeit leisten.

In den letzten Jahren hatte ich schon viel emotionale Arbeit geleistet und meinem inneren Kind ging es schon erheblich besser. Nichtsdestotrotz braucht es immer noch Aufmerksamkeit. Vor allem wenn wir uns emotional für jemand anderes öffnen. Dies sind die verletzlichsten Momente in unserem Leben. Und genau in diesem Momenten müssen wir uns weiterhin bewusst sein von den verletzten und traumatisierten Teilen unserer Selbst (die ich gerne das Innere Kind nenne). Gebe deinem Inneren Kind die Zeit die es braucht zum heilen. Es muss wieder lernen Vertrauen aufzubauen. Nicht nur zu anderen, sondern auch zu sich selbst.

Mein Zusammenbruch hat mir die Chance gegeben wieder zu mir selbst zu finden. Ich musste meinem Inneren Kind gestatten zu heulen, misstrauisch zu sein und an sich selbst zu zweifeln. Ich musste es einfach akzeptieren so wie es war. Genau wie mein Partner mich akzeptiert hatte. Geduldig. Liebevoll. Bedingungslos.

Mache dir also bitte keine Sorgen wenn du endlich (nach jahrelanger Seelensuche!) deinem Prinzen auf dem weißen Pferd begegnest und du seine Liebe nur mit einer Panikattacke erwidern kannst. Es ist normal. Du brauchst Zeit was du gelernt hast in de Praxis umzusetzen.

Erwarte keine Wunder nur weil du ein paar neue Einsichten hast. Die Einsichten sind toll. Und das sind die emotionalen Zusammenbrüche auch. Über die Jahre werden sie weniger häufig vorkommen und werden auch weniger intensiv sein, sie werden aber zwangsläufig vorkommen. Ein Glück tun sie das. Ich habe immer noch Momente in denen ich mich wertlos fühle und wieder heulen muss. Und das ist auch ok so. Diese Momente zwingen mich dazu mich daran zu erinnern achtsam, liebevoll, respektvoll und geduldig gegenüber mir selbst zu bleiben. Das ist meine Art und Weise die mentalen Updates in mijn ganzes System zu integrieren. Mental, emotional und spirituell.

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