Freundschaft schließen mit dem Inneren Kritiker

Fangen wir erstmal an mit einer kurzen Beschreibung meiner Selbst: Ich bin laut, bin ständig am quatschen, bin hyperaktiv, impulsiv, verstreut, ungeduldig, dominant und bin eine Königin im Nörgeln. Dies sind alles Karakterzüge worauf die meisten Menschen (inklusive mir selber) nicht gerade stolz sind. In den letzten Monaten sind mir diese Eigenschaften immer mehr in die Quere gekommen und habe ich eine gesunde Art und Weise gesucht damit umzugehen. Selbstverurteilung ist keine Option. So weiterleben da hingegen auch nicht. In diesem Post beschreibe ich wie ich mich entschlossen habe mit diesem Problem umzugehen.

Mein Innerer Kritiker und mein Weises Selbst

Seit ich denken kann habe ich ein niedriges Selbstwertgefühl. Als Jugendliche habe ich mich regelmäßig mit einer Rasierklinge in den Armen geritzt. Das war damals meine Art und Weise mich dafür zu bestrafen wer ich war. Als ich mich mit 16 Jahren dazu entschloss mit dem Ritzen aufzuhören, wusste ich, dass das auf Dauer nur möglich sein würde wenn ich lerne mich selbst zu akzeptieren.

Über die Jahre habe ich gelernt mich zu akzeptieren. Ich kann mich nicht mehr vergleichen mit Mädchen, das sich damals selbst verstümmelte, aber die kritische Stimme in meinem Kopf ist immer noch anwesend. Der Unterschied ist, dass ich die Stimme mittlerweile recht gut kenne. In den meisten Fällen erkenne ich die Stimme bevor es Schaden anrichten kann.

Wenn man lernt mit dieser Stimme umzugehen und zu erkennen, dass auch andere von dieser Stimme getrieben werden, kann so manch brenzlige Situation positiv ausgehen lassen. Je besser du lernst dich von der kritischen Stimme zu distanzieren, umso besser wirst du die Stimme deines Weisen Selbst hören können. In den nächsten Abschnitten werde ich erklären wie ich das gemacht habe.

Mein Innerer Kritiker und mein Körper

Leider muss ich auch unter diesem modernen Problem leiden: das Gefühl zu dick zu sein. In meiner frühen Pubertät fing ich allmählich an dicker zu werden. Dies war sicherlich nicht das beste Timing. Ich war eh schon unsicher, aber dass mein Körper nun gerade zu diesem Zeitpunkt wo ich mir dessen so bewusst am werden war, diese unerwünschte Form anfing zu nehmen, war schwierig für mich. Ich war noch nie besonders glücklich mit meiner Figur, aber auch diese habe ich gelernt über die Jahre zu akzeptieren.

Ende 2016 hatte ich ziemlich zugenommen und aus irgendeinem Grund störte es mich unheimlich. Ich war mir nicht mal dessen bewusst, dass ich immer noch so unsicher war über meine Figur. Ich hatte mir selbst eingeredet, dass ich spirituell genug geworden war um zu wissen, dass ich nicht mein Körper bin und dass mein Wert nicht davon abhängt. Jetzt stellte sich heraus, dass ich nun leider doch recht oberflächlich bin und mir die extra Kilo’s etliche schlaflose Nächte besorgt haben.

Mein Weises Selbst über meine Körper

Nachdem ich ein paar Wochen der Stimme meines Inneren Kritikers gelauscht hatte und mich elend fühlte, entschloss ich mich dazu mein Weises Selbst zu Wort kommen zu lassen. Ich konnte die Stimme kaum hören, da mein Innerer Kritiker so laut und allgegenwärtig war. Zum Glück habe ich doch ein paar Lektion erfassen können.

Die erste Lektion überraschte mich ziemlich. Es stellte sich heraus, dass mein Innerer Kritiker nicht mal falsch lag! Was er sagt ist nicht mal so unbegründet, er hat einfach nur eine ungeschickte Art und Weise dies zu vermitteln.

Ich lernte, dass mein Körpergewicht nicht das essentielle Problem ist. Das eigentlich Problem liegt tiefer. Die Sorge meines Inneren Kritiker liegt eher bei meiner eigenen Selbstversorgung. Er möchte gerne, dass ich mich selbst gut hege und pflege. Wie ein Elternteil welches sein Kind bestraft um seiner selbst willen.

Nachdem ich wusste, dass mein Innerer Kritiker nur das Beste mit mir vorhat, wurde ich kooperativer. Ich kümmerte mich besser um mich selbst, aber nicht um abzunehmen, aber aus Selbstliebe an der es mir anscheinend fehlte. Seitdem ist die Stimme meines Inneren Kritikers sanfter und stiller geworden wodurch ich meinem Weisen Selbst mehr Aufmerksamkeit widmen kann. Der lässt mich wissen, dass ich gut bin so wie ich bin. Dass ich mir keine Sorgen machen muss was andere über mich denken und dass es nur zählt ob ich mich um mich selbst kümmere oder nicht.

Mein Innerer Kritiker über meine Persönlichkeit

Leider beschränkt sich die Kritik nicht nur auf meinen Körper. Mein Innerer Kritiker hat auch eine starke Abneigung gegen meine Persönlichkeit, wie du im Intro lesen konntest. Nach dreißig Jahren die Person zu sein die ich bin, ist es äußerst schwierig sich zu ändern. Gerade dies macht die Kritik meines Inneren Kritikers noch frustrierender. Aber zum Glück habe ich auch bezüglich dieser Dillemmas einen friedlicheren Weg gefunden.  

Es stellte sich erneut heraus, dass mein Kritiker mich nur vor mir selbst schützen wollte. Es wollte eigentlich nur, dass Leute mich mögen damit ich ein schützendes Netzwerk aufbauen kann. Außerdem würde es mein Selbstwertgefühl und mein Glück zugute kommen, wenn ich eine “nette Person” bin. Seien wir mal ehrlich, egal wie berechtigt ich mich dazu fühle böse zu sein auf jemanden oder jemanden zu kritisieren, es fühlt sich nie wirklich gut an. Im Nachhinein fühlt man sich immer schlechter. Wie der Buddha schon sagte: “Wenn man an Wut festhält, ist es wie als ob man einen heißen Stein festhält den man auf jemand anderen werfen möchte. Letzten Endes verbrennt man nur sich selbst.”

Es ist ja kein Problem Wut und Kritik zu äußern, nur sollte dies auf eine respektvolle und liebevolle Art und Weise geschehen. Es sollte vor allem losgelassen werden. Und das ist es was mein Innerer Kritiker mir zeigen wollte – auf seine eigene unbeholfene Weise.

Mein Weises Selbst über meine Persönlichkeit

Mein Weises Selbst gibt ein gutes Beispiel dafür wie diese Kommunikation gehen sollte. Es zeigt mir, dass ich tatsächlich ein paar Charaktereigenschaften habe die nicht unbedingt förderlich sind für alle involvierten. Zu gleichen sagt es mir aber auch, dass dies eine Nebenwirkung ist des Mensch-seins. Es betont auch, dass ich auf eine positive Art und Weise mit meinen negativen Seiten umgehen kann, die mich zu interessanten Einsichten führen können. Aber dafür muss ich erst mich selbst mit offenem Herzen umarmen können.

Das hört sich ja toll an, aber wie soll ich das um Himmels Willen machen? Mich selbst umarmen?

Ich war kürzlich in einer Situation wo mein Innerer Kritiker in Rage war und ich wählen konnte zwischen Selbsthass oder Selbstliebe. Ich hatte einen Streit mit einer meiner Mitbewohnerinnen. Seit Monaten herrschte eine Spannung zwischen uns wegen der Hausarbeit. Die Irritation häufte sich auf bis es eines Abends eskalierte.

Ich war so unheimlich wütend, ich konnte mich nicht mehr beherrschen. Ich dachte sie würde mich endlich verstehen, wenn ich nur laut genug schreie und brülle. Natürlich war das nicht der Fall. Das Einzige was es bewirkte, war dass ich mich schlecht über mich selbst fühlte. Irgendwann war ich nicht mal mehr sauer auf sie, sondern auf mich selbst!

Vollkommen unerwartet tauchte auf einmal das selbst-verstümmelende Mädchen aus meiner dunklen Vergangenheit wieder auf. Genau wie damals fühlte ich mich ein schrecklicher Mensch, der es nicht verdiente auf dieser Welt zu sein. Für einen Moment war ich wieder gefangen in dem Körper und Geist dieses 15-jährigen Mädchens. Ich spürte nur noch Selbsthass, einen zusammengezogenen Magen und ein Herz aus Stein.

Zum Glück bin ich dieses 15-jährige Mädchen nicht mehr und kam ich langsam wieder zurück zu meinem erwachsenen-Ich. Nachdem ich mich von diesem Wutausbruch wieder erholt hatte, hatte ich die Kraft meinem Weisen Selbst zu horchen. Es hatte eine deutliche Nachricht für mich: Vergebung war die Antwort. Ich musste meiner Mitbewohnerin um Vergebung fragen, aber noch wichtiger: ich musste mir selbst vergeben.

Der Abend endete letztendlich mit viel Liebe und Empathie für die jeweilige Situation des Anderen. Mein Wutausbruch und die darauffolgende Vergebung führte eigentlich sogar zum Anfang eines offenen Gesprächs. Diese Situation hat mir mal wieder bewiesen wie unheimlich wichtig Vergebung ist. In jeder einzelnen Situation.

Durch den Wutausbruch gab ich mir jetzt auch mehr Mühe mich selbst zu verstehen. Ich weiß jetzt, dass es anscheinend immer noch ein Teil von mir gibt, der sich wertlos und schlecht fühlt. Ich denke immer noch Menschen würden mir zuhören, da ich nicht wichtig und wertvoll genug bin.

Jetzt arbeite ich wieder aktiv an meinem Selbstwertgefühl. Ich höre auf das Feedback von meinem Inneren Kritiker, aber ich schenke dem negativen Ton keine Beachtung mehr. Schritt für Schritt bessere ich mich, aber ich mache weder mir, noch meinen Inneren Kritiker noch jemand anderen Vorwürfe wenn ich zurückfalle in alte Muster.

Wenn du dir selbst gegenüber liebevoller sein kannst, fällt es dir auch wesentlich leichter anderen gegenüber liebevoller zu sein. Dies führt automatisch zu besseren sozialen Kontakten und ein erhöhtes Selbstwertgefühl. Du wirst merken, dass dein Innerer Kritiker immer stiller wird und dadurch immer mehr Raum erschaffen wird für dein Weises Selbst.

Mein Innerer Kritiker über diesen Blog

Ja, mein Innerer Kritiker hat auch was an diesem Blog auszusetzen. Ich bin noch nie eine tolle Schriftstellerin gewesen (um nicht zu sagen, dass ich immer schon schlecht im Schreiben war), aber es ist nun Mal mein Wunsch um meine Geschichten und Einsichten zi teilen. Seit Monaten spiele ich mit diesem Gedanken, aber habe es immer wieder beiseite geschoben. Mein Innerer Kritiker sagte mir fortwährend: “Du kannst doch gar nicht schreiben!” und “Niemand interessiert sich für deine Geschichten! Wer denkst du bloß das du bist?!”. Mittlerweile habe ich der Stimme des Kritikers aber genug Aufmerksamkeit gegeben und wurde es Zeit mich meinem Weisen Selbst zu widmen.

Mein Weises Selbst über diesen Blog

Die liebevolle Stimme meines Weisen Selbst sagte mir, dass es egal ist ob mein Blog ein Erfolg oder ein Misserfolg mit. Das wichtigste ist, dass ich meinem Herzen folge. Ich habe nichts zu verlieren. Wenn ich auch nur einen einzigen Menschen motivieren oder inspirieren kann, dann war es die Mühe schon Wert.

Und natürlich motiviere und inspiriere ich mich selbst auch jedes Mal wenn ich wieder mit einem spirituellen Gedanken auseinandersetze. Außerdem ist dieser Blog auch ein tolles Medium um von anderen zu lernen! Wenn du also Erfahrungen oder Ideen hast die du gerne teilen möchtest, dann würde ich mich freuen wenn du diese mit mir und den anderen Lesern teilen würdest 🙂

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