Katja Laurien

Inspiration auf deiner spirituellen Reise

Fünf Wege zur Gesunden Selbstliebe

5. Januar 2020 • Katja Laurien

Selbstliebe ist mehr als nur ein neumodisches Wort in der Psychologie und Spiritualität. Fehlende Selbstliebe ist wohl der Hauptgrund für viel Elend in unserem Leben. Ohne Selbstliebe können wir andere nicht lieben; ohne Selbstliebe können wir unser vollstes Potenzial nicht entwickeln und ohne Selbstliebe werden wir uns nie “heil” und “vollständig” fühlen. Leider ist Selbstliebe jedoch nicht etwas was wir nach Belieben ein- oder ausschalten können. Es ist ein Prozess der Zeit und Tatkraft benötigt.

Wie fast jeder Mensch auf dieser Erde, fehlt es auch mir an Selbstliebe. Ich mühe mich jetzt schon lange mit dem Problem ab und habe es als Jugendliche schon als mein Hauptproblem identifiziert. Ich erinnere mich noch sehr genau wie ich mir als 16-Jährige vorgenommen habe an meiner Selbstliebe zu arbeiten. Mein Selbstwertgefühl war so niedrig, dass ich es einfach nicht mehr ignorieren konnte.

Über die Jahre habe ich vieles getan um mir selber näher zu kommen. In diesen Jahren habe ich viele Höhen und Tiefen erlebt, aber grundsätzlich hat sich meine Selbstliebe erheblich verbessert. Ich liebe mich selber immer noch nicht zu 100% und ich weiß nicht ob ich das jemals werde, aber das ist auch okay so. Jeder Schritt nach vorne ist es wert. Nicht jede Maßnahme die Selbstliebe zu erhöhen wird einen direkten Effekt erzeugen, aber alle kleine Handlungen addieren sich und mit ein wenig Konsistenz und Geduld, wirst du merken wie deine Einstellung zu dir selbst verändert und damit auch dein Leben. Auch wenn ich in den letzten Jahren nur kleine Babyschritte gemacht habe, jedes kleine bisschen Selbstliebe hat mein Leben enorm positiv beeinflusst. Dieses Glück möchte ich gerne mit dir teilen, weswegen ich in diesem Post beschreibe welche Schritte mir geholfen haben zu meiner Selbstliebe zu finden.

Gebe acht auf dich

Fangen wir an mit dem offensichtlichsten und einfachsten Schritt: Fange einfach an acht auf dich zu geben. Ernährung ist ein Beispiel wie Menschen sich selbst strukturell vernachlässigen. Sie neigen dazu routinemässig Essen in ihr System zu geben damit sie Energie gewinnen, aber nicht um sich selbst richtig zu nähren. Oftmals sagen mir Menschen sie würden nicht für sich selber kochen, sondern nur wenn sie Besuch haben. Sie genießen es für andere schmackhafte, nahrhafte und hausgemachte Mahlzeiten zuzubereiten, aber nehmen sich nicht die Zeit das auch für sich selber zu machen. Stattdessen gibt es dann einfaches, verarbeitetes und unbekömmliches Essen, was vor dem Fernseher gedankenlos verschlungen wird.

Ich verstehe, dass viele in dieser modernen Gesellschaft weder die Zeit noch die Energie haben um täglich zu kochen. Aber sei dir davon bewusst, dass das Kochen einem auch Energie geben kann statt Energie zu rauben. Erstens wird dir eine gesunde und bekömmliche Mahlzeit einen gesünderen Körper geben der über mehr Energie verfügt. Zweitens kann der Akt des Kochens dir auch Energie spenden. Ich genieße es wirklich mit neuen Rezepten zu experimentieren und die Küche verwandelt sich dann fast in eine Disko mit guter Musik und ein paar Tanzeinlagen zwischen dem Schnippeln und Würzen. Für mich ist das Kochen nicht nur ein Akt der Selbstliebe, weil ich mir selber eine gesunde Mahlzeit mache, sondern auch eine Aktivität mit der ich meine Energie erneuere und meinen Frust abbauen kann.

Es gibt natürlich mehrere Wege der Selbstversorgung, sowie einen heißen Tee trinken an einem kalten Wintertag oder einen Spaziergang in der Sonne machen. Man kann sich selber auf endlose Arten und Weisen um sich selbst kümmern, aber am Besten kann man sich die Selbstversorgung in den Alltag einbauen und mit den “Basics” anfangen: beim Schlaf, dem Essen und der Bewegung. Vor allem wenn es um Bewegung geht sollte man sich daran erinnern, dass man liebevoll vorgehen sollte. Manche Leute treiben nur Sport um abzunehmen und werden dementsprechend vom Selbsthass angetrieben. Diese Menschen hören oft nicht auf ihren Körper und zwingen sich dazu sportliche Ergebnisse zu erzielen die nicht ihren Fähigkeiten entsprechen.

Logischerweise genießen sie den Sport nicht und neigen dann dazu aufzugeben. Mache dir bewusst, dass in den meisten Fällen nicht der Sport (oder jegliche andere Aktivität der Selbstliebe) das Problem ist, sondern deine Haltung gegenüber der Aktivität. Versuche deine Denkweise auf die Selbstversorgung und Selbstliebe einzustellen statt unbedingt Ziele erreichen zu wollen: Der Weg ist immerhin das Ziel!

Achte auf deine Urteile

Wahrscheinlich kennst du den Spruch: Du kannst nicht geliebt werden, wenn du dich selber nicht liebst. Diesen Spruch kann man aber auch umdrehen: Du kannst dich selber nicht lieben, wenn du andere nicht liebst. Um den Weg zu unserer eigenen Selbstliebe zu finden, müssen wir gut nachdenken wie wir übere andere denken. Solange wie wir andere für ihr Verhalten verurteilen, werden wir weiterhin uns selbst verurteilen. Auf einer gewissen Weise ist unser Urteil nichts anderes als ein Ausdruck unserer fehlenden Selbstliebe. Indem wir urteilen versuchen wir unsere Unsicherheite zu verbergen indem wir uns ablenken mit den negativen Seiten anderer.

Der Fokus auf den Fehlern anderer ermöglicht es uns unsere eigenen Fehler nicht anschauen zu müssen. Aber wir können nur erkennen, dass mit unseren Fehlern alles in Ordnung ist, wenn wir uns die Zeit gönnen wirklich nach innen zu schauen. Unsere Fehler haben nämlich ein Existenzrecht.

Das gilt auch für die Fehler anderer. Das bedeutet nicht, dass du jetzt plötzlich alle anderen mögen musst. Du hast das Recht jemanden nicht zu mögen. Aber jemanden einfach nicht leiden zu können und einen Abstand zu ihm halten zu wollen ist nicht das gleiche wie jemanden zu verurteilen. Sei dir einfach davon bewusst, dass der andere seine Gründe haben wird und behandele ihn trotzdem mit Respekt. Das ist alles. Du wirst auch bemerken wie energieraubend urteilen sein kann. Willst du wirklich diese Energie an jemanden verschwenden den du eigentlich nicht magst? Höre auf deine Energie an Menschen zu verschwenden die dir keine Energie zurückgeben und schenke diese Energie demjenigen der es wirklich verdient: Dir selbst.

Nicht nur deine Urteile gegenüber andere sind energieraubend sondern auch deine Selbsturteile laugen dich aus. Versuche einfach deine Fehler und deine negativen Gefühle achtsam zu beobachten ohne zu urteilen. Das ist sehr schwierig und höchstwahrscheinlich wirst du automatisch anfangen zu urteilen. Versuche in dem Fall den Selbsturteil zu beobachten ohne darüber zu urteilen. Auch ein Selbsturteil passiert den Besten.

Dir selber deine negativen Seiten zu gestatten kann sehr beängstigend sein, aber ist notwendig um dich selber lieben zu lernen. Ohne Selbsturteil wirst du dich wohler in deiner Haut fühlen und wird dir mehr Zeit geben um wirklich nach innen zu schauen um zu entdecken, was für ein liebenswürdiger Mensch du eigentlich bist.

Verbringe Zeit alleine

Wenn man nicht alleine sein kann und ständig gelangweilt ist wenn man nicht “unterhalten” wird ist ein sicheres Zeichen der fehlenden Selbstliebe. Ich brauchte früher ständig Ablenkung und Unterhaltung. Entweder war ich am studieren, am arbeiten oder traf mich mit Freunden oder Familie. Abgesehen vom Yoga oder meditieren verbrachte ich wenig Zeit wirklich nur mit mir selbst. Als ich anfing mehr Zeit auf meinem Meditationskissen zu verbringen fing ich auch automatisch an mich nach mehr Zeit für mich zu sehnen.

Ich fing an “Ich-Momente” in meinem Kalender festzulegen, damit ich mich nicht wieder mit anderen Sachen ablenken würde. Am Anfang war das nicht immer einfach. Wir sind es so gewohnt immer mit anderen Menschen oder mit anderen Ablenkungen wie ein Fernseher zu sein, dass es sehr konfrontierend sein kann alleine zu sein. Ich verbringe immer noch viel Zeit mit mir alleine am schreiben, lesen oder mit anderen Beschäftigungen, aber ich merke wie ich mir immer öfters erlaube einfach zu sein. Einfach nur zu sitzen und in meinen Körper hinein zu spüren.

Das sind oft die Momente wo Gedanken und Gefühle in einem hochkommen woran es danach kein Entkommen mehr gibt. Genau wie viele Menschen vor ihren Partner wegrennen weil sie Angst haben er oder sie könnte sie mit ihren schmerzlichen Emotionen konfrontieren, so fürchten wir uns auch vor unseren eigenen Gefühlen und Wahrheiten. Alleine sein zwingt uns nach innen zu schauen…nur um herauszufinden, dass es eigentlich nichts gibt vor dem man sich wirklich fürchten sollte. Oftmals brauchen unsere Emotionen und Gedanken nichts anderes als unsere liebevolle Wahrnehmung und danach lösen sie sich auch schnell in Luft auf. Mir ist es schon des Öfteren passiert, dass ich auf der Couch eine Tasse Tee am trinken war und ich plötzlich von meinen Emotionen überwältigt wurde ohne zu wissen wo sie herkamen. Ich gestatte sie da zu sein, heulte für einen Moment und war kurz darauf wieder ruhig und spürbar erleichtert.

Alleine zu sein bringt mich nicht nur näher zu mir selbst, sondern hat auch noch mehr Vorteile. So lieb und hilfreich andere Menschen und (soziale) Medien auch sein können, sie vermitteln dir oft (unterbewusst) bestimmte Botschaften die vielleicht nicht im Einklang sind mit deinem wahren Ich. Stell dir vor, du bist ganz unglücklich mit dem Job und du redest darüber mit einem Freund und der redet nur vom Verlust der finanziellen Sicherheit, dann würdest du womöglich einen Job behalten der dich von Grund auf unglücklich macht. Dein wahres Ich ist wirklich der beste Ratgeber den du dir vorstellen kannst, du musst dir selber nur die Zeit geben auf seine Stimme zu hören.

Wenn du dich erstmal mit dir selber in Verbindung gebracht hast wird dir noch etwas weiteres auffallen: Einsamkeit und Langeweile verschwinden aus deinem Leben. Ich kann mich wirklich nicht erinnern wann mir das letzte Mal langweilig war (im Gegenteil meine Tage können nie lange genug sein) und das letzte Mal wo ich mich einsam gefühlt habe war in Momenten in denen ich Angst hatte und ich das Gefühl der Sicherheit brauchte. Aber im täglichen Leben fühle ich mich selten einsam. Ich kann jemanden vermissen, aber ich fühle mich nicht einsam. Seit ich den Bezug zu mir aufgenommen habe, weiß ich da “jemand” da ist. Das hört sich wahrscheinlich merkwürdig an und ich weiß auch nicht wie ich es dir erklären muss. Vielleicht bleibt dir nichts anderes übrig als es einfach selber zu erfahren ;)

Arbeite mit deinem Inneren Kind

Fahren wir mal direkt fort mit dem “Ungewöhnlichen” und reden wir über unsere nächste innere Entität: unser Inneres Kind. Das Konzept des Inneren Kindes hat mein Leben sehr beeinflusst. Für mich war es wie das fehlende Puzzlestück zu meinem unerklärlichen Verhalten (und dem anderer Menschen). Ich verstand plötzlich warum ich zwar eins machen wollte, dann aber doch was andere machte. Plötzlich machte mein widersprüchliches Wesen Sinn. Auch begann ich endlich zu verstehen, dass es wenig Sinn macht sich selbst lediglich positiv zuzureden oder sich selber zum Narren zu halten.

Es ist als wöllte man am Ende des Monats Lohn dafür erhalten, dass man über seine Arbeit geredet hat aber man nicht wirklich gearbeitet hat. Für die meisten von uns funktioniert das so einfach nicht. Um wirklich eine Veränderung in deiner Selbstliebe zu beobachten, solltest du herausfinden was der Grund für deine fehlende Selbstliebe ist und dich diesem Teil deines Selbst aktiv widmen. Ich identifizierte mein vernachlässigtes Inneres Kind als Hauptgrund und richtete alle meine Liebe auf diesen einen Teil in mir der es am meisten brauchte.

Es gibt viele Arten und Weisen deinem Inneren Kind Liebe zu zeigen, aber für mich waren geschriebene Dialoge am effektivsten. In einem Zeitraum von 1-2 Jahren habe ich regelmäßige Dialoge mit meinem Inneren Kind geführt um herauszufinden was es nun wirklich möchte und braucht. Ich habe es immer unterstützt und besänftigt wenn es traurig, böse oder unsicher war. Diese Herangehensweise hat für mich sehr gut funktioniert. Mittlerweile führe ich keine regelmäßigen Dialoge mehr, sondern nur wenn mein Inneres Kind äußerst betrübt ist, was um einiges weniger geschieht seit ich mich intensiv um mein Inneres Kind gekümmert habe.

Ich weiß, dass das Konzept des Inneren Kindes gewöhnungsbedürftig ist. Ich kenne Leute die sich einfach nicht mit der Idee anfreunden können, dass sie in Kontakt treten sollen mit einem “imaginären” Kind das anscheinend irgendwo in unserem inneren lebt. Wahrscheinlich befürchten sie man könnte denken sie wären schizophren oder verrückt. Wie auch immer, mir hat es unheimlich geholfen das Stückchen Selbstliebe zu finden was mir so gefehlt hatte. Wenn das Konzept jedoch nicht mit dir resoniert, kannst du es natürlich auch gern überspringen.

Gönne dir Zeit

Zu guter Letzt: Sei geduldig. Ich habe das am Anfang schon kurz erwähnt, aber ich würde gerne diesen Post mit derselben Botschaft beenden: Gönne dir die Zeit zum Heilen. Warum lege ich so viel Wert auf diesen Punkt? Erstens, weil es unmöglich ist Liebe jeglicher Art zu erzwingen, sogar wenn es Selbstliebe ist. Liebe ist ein Frage des Vertrauens, der Akzeptanz und des Respekts, welche alle Zeit brauchen zum entwickeln. Höchstwahrscheinlich bist du schon im Erwachsenenalter eh du dich mit dir selber auf diese Weise in Verbindung setzt. Du hast dich schon über mehrere Jahre vernachlässigt, wie denkst du könnte man das in kurzer Zeit wieder heilen?

Zweitens ist es eine Form der Selbstliebe sich selber die Zeit zu gönnen. Du zeigst dir selber damit, dass du dich so akzeptierst wie du bist, auch wenn du nicht ganz im Einklang mit dir selber bist. Wenn du dir diese Zeit nicht gönnst, könnte es sich anfühlen als würdest du nur deinen geheilten Teil akzeptiert und nicht den Teil der noch verletzlich und kaputt ist.

Manche Menschen erzählen sich selbst gerne sie würden sich selber lieben, sobald sie ein bestimmtes Ziel erreicht haben (eine Beförderung, ein Partner, einen perfekten Körper etc.), aber dies ist bedingte Liebe und wird also nicht funktionieren. Wir sollten lernen achtsam und geduldig mit dem gebrochenen Teil unseres Selbst umzugehen. Es ist nicht nur unmöglich zu schnell heilen zu wollen, es kann uns auch zum Verhängnis werden. Forcierte Selbstliebe kann sich nämlich als Arroganz, erdrückende Selbstkontrolle oder komplett fehlende Selbstkontrolle äußern.

Es gibt einfach keine Abkürzung zur Selbstliebe. Es bleibt uns nichts anderes übrig als die nötige Arbeit zu tun, unsere Erwartungen loszulassen und jegliche Erfahrungen willkommen zu heißen, egal ob positiv oder negativ.