Katja Laurien

Inspiration auf deiner spirituellen Reise

Zeichen der Spirituellen Heilung

1. August 2021 • Katja Laurien

Letztlich sind wir alle auf dem spirituellen Pfad aus einem Grund: um zu heilen. Inspiriert von der romantisierten Idee der Spiritualität, denkt man oft, dass wenn man geheilt ist, man im Dauerzustand der Glückseligkeit lebt. Das Leben ist plötzlich eine große Party, wo man nur freundlichen Menschen begegnet, wo man von jedem gemocht wird und negative Gefühle lediglich eine vage Erinnerung der Vergangenheit sind. Ich würde lügen wenn ich sagen würde, dass das nicht genau die Idee war mit der ich meine spirituelle Reise angefangen habe. Ich kam um meine Beziehungsmuster zu heilen, und dementsprechend war jedes Zeichen einer gestörten Beziehung automatisch ein Zeichen dafür, dass ich immer noch “gebrochen” war und ich also noch härter an meiner Heilung arbeiten musste. Im Laufe der Jahre bin ich jedoch geheilt von meiner simplistischen Idee der Heilung und habe ich viel gesündere Ideen entwickelt über was Heilung nun wirklich bedeutet. Diese Ideen möchte ich gerne mit dir in diesem Post teilen.

Ich erinnere mich sehr gut an meine ersten Momente der Heilung, wo ich wirklich den Effekt der Arbeit an meiner Selbstliebe erfahren durfte. Ich war in einer Situation wo ich normalerweise erfüllt wäre von Selbsthass und Selbstzweifel, aber in diesem Fall fühlte ich mich eher wie ein stolzer - wenn auch verletzter - Krieger. Die Tatsache, dass ich verletzt war war zweitrangig. Ich war einfach nur so unheimlich stolz auf mich, dass ich anscheinend genügend Selbstliebe hatte um mich nicht unterkriegen zu lassen, in einer Situation die mir normalerweise den letzten Selbstwert genommen hätte. Die Idee, dass das Verhalten anderer keinen Einfluss auf mich haben muss, gab mir ein Gefühl der Kraft und Ermächtigung. Seitdem habe ich mich öfters in diesem Zustand begeben, wo ich auf Wolke 7 schwebe vor lauter Selbstliebe und Wertschätzung für alles um mich herum. In diesen Momenten fühle ich mich unbesiegbar und vor allem geheilt.

Früher oder später werde ich jedoch unweigerlich von meiner Wolke runtergeworfen und ruft mich die Realität wieder zurück auf den Boden. Entweder spür ich doch noch den Schmerz den ich davor nicht spüren konnte oder etwas anderes passiert was ich mir nicht gewünscht hatte - oder schlimmer noch, beides passiert. Bisher war mein Fazit, dass ich einfach noch nicht geheilt war und dass ich mich selber zum Narren gehalten hatte. Wenn ich wirklich geheilt wäre, dann würde ich doch nicht mehr mit solchen Emotionen zu kämpfen haben, oder?

Zum Glück habe ich kürzlich diese falsche Prämisse in Frage gestellt. Mir ging es unheimlich gut, ich war wieder auf meiner Wolke, hauptsächlich weil ich mir bewusst wurde wie sehr ich in den letzten Jahren geheilt bin. Vier ganze Tage durfte ich auf meiner Wolke schweben, als ich plötzlich von einen auf den anderen Tag runter fiel und ich stattdessen in Herzschmerz, Gefühle der Abweisung, Einsamkeit, Scham, Schuld und Wertlosigkeit badete. Der Kontrast war so stark, mir blieb nichts andere übrig als zu bemerken, dass etwas im Busch war.

Da meine Praxis des im Hier und Jetzt sein mich auf meine Wolke befördert hatte, erlaubte ich mir nicht davon ab zu weichen. Obwohl es unangenehm war, blieb ich weiterhin präsent und beobachtete ich einfach diese komplett unerwarteten Gefühle. Mein rationaler Geist wollte mich fortwährend davon überzeugen, dass es nicht wert war diesen Gefühlen zu viel Aufmerksamkeit zu schenken, da sie nicht meiner gegenwärtigen Situation entsprachen Immerhin war ich doch geheilt, weshalb sollte ich mich diesen bedeutungslosen Gefühlen widmen? Zum Glück ließ meine Verpflichtung im Hier und Jetzt zu bleiben mir nicht zu dieser Geschichte zu folgen. Alles was mir übrig blieb war mir selber zu gestatten den Gefühlen zu folgen - und nicht den Geschichten.

Ich habe viel Zeit damit verbracht einfach nur da zu liegen (oder zu sitzen) mit meinen Händen auf mein Herz und einfach in mich hinein zu spüren. Ich brachte die Gefühle nicht mehr in Verband mit einer Geschichte aber gestattete einfach alles sich so zu entfalten wie es sich entfalten wollte. Natürlich war ich mir bewusst, dass mein rationaler Geist recht hatte und dass diese Gefühle tatsächlich nicht meine jetzige Situation repräsentierten, aber das bedeutete nicht, dass es eine gute Idee war die Gefühle zu ignorieren. Während ich da lag und mir selber gestattete einfach die Gefühle da sein zu lassen und sie von mein Herz durch meine ganze Brust und sogar meinen ganzen Körper ziehen zu lassen, bemerkte ich, dass dieser Schmerz Teil der Heilung war!

Mir wurde klar, dass der Schmerz mir nicht zeigte welche Teile in mir noch nicht geheilt waren, sondern dass der Schmerz kommen konnte weil ich geheilt war! Plötzlich wurde mir klar wie oft ich diesen Schmerz falsch interpretiert hatte, indem ich immer wieder dachte auf dem falschen Pfad zu sein und dachte immer noch mehr Arbeit leisten zu müssen. Vor allem in den letzten 1.5 Jahren habe ich mich wirklich meinen Gefühlen gewidmet, aber immer mit dem nagenden Hintergedanken: Wann bin ich endlich da?! Ich wusste, dass ich viel Arbeit leistete und ich wusste auch, dass es sehr wertvoll war, aber ich interpretierte diese wiederkehrenden Gefühle immer fälschlicherweise als Beweis meines gebrochenen Zustands.

Da ich mir nicht mehr gestattete mir selber mentale Geschichten zu erzählen, erlaubte ich mir auch nicht diese Geschichte zu glauben. Tief im Inneren wusste ich nämlich auch, dass dies kein Zeichen meiner Unvollkommenheit sein konnte, immerhin hatte ich ein paar Stunden davor meine Vollkommenheit in voller Glanz gespürt! Also lehnte ich mich zurück, ließ den Schmerz einfach zu, ohne jegliche Geschichte oder Erklärung dafür. Nachdem ich mich für eine Weile entspannt hatte, entstand in mir ein bittersüßes Gefühl. Der Schmerz war immer noch da - zum Teil sogar stärker als zuvor - aber es wurde begleitet von einem süßen, zarten und liebevollen Gefühl. Intuitiv spürte ich, dass etwas schönes sich entfaltete und ich erlaubte dem Gefühl solange da zu sein wie es wollte - welches es auch getan hat über einen Zeitraum mehrerer Wochen.

Innerhalb dieser Wochen kam und ging der Schmerz, neue Gefühle kamen und gingen, positive sowohl wie negative. Wie in Rumi’s wunderschönen Gedicht Das Gasthaus, empfing ich alle Gefühle für den Zeitraum den sie bleiben wollten. Ich öffnete die Tür mit einem Lächeln und wenn sie gingen schloss ich Tür hinter ihnen mit einem Gefühl der Dankbarkeit, da jede einzelne Emotion ein Geschenk für mich hinterließ: eine Einsicht, eine Last von meiner Schulter, ein intimer Moment mit mir selbst.

Diese Erfahrung hat mir meine Augen und mein Herz dafür geöffnet was Heilung wirklich ist. Mir wurde klar, dass Heilung nicht bedeutet, dass man ewig auf Wolke sieben schwebt. Natürlich ist es toll seine eigene Kraft und Glück zu spüren, aber wahre Heilung geschieht wenn wir imstande sind bei uns selbst zu bleiben unter allen Umständen - also auch in den negativen Momenten. Es gibt verschiedene Erklärungen dafür dass wir mit negativen Gefühlen konfrontiert werden genau in den Momenten wo wir uns geheilt fühlen. Eine Erklärung bezieht sich auf das Konzept des Inneren Kindes, welches auf meine Heilung gewartet hat, damit es rauskommen und sich mir zeigen kann. Die Abweisung, Einsamkeit, Scham, Schuld und Wertlosigkeit die ich spürte waren tatsächlich kein Produkt meiner gegenwärtigen Realität, aber meine Situation hat mir geholfen zu diesen Gefühlen zu kommen die einfach nur gesehen werden mussten.

Mein Inneres Kind weiß, dass ich es nicht halten oder sehen kann, wenn ich selber zu verletzt bin. Deswegen ist es sicherer wenn es sich mir zeigt wenn ich mich vollkommener fühle. Vollkommen oder “ganz” zu sein bedeutet, dass ich einen innerlichen Behälter kreiert habe, in dem ich meine Emotionen sammeln kann, damit sie nicht unkontrolliert durch die Gegend fließen (was jedes Mal passiert, wenn ich jemand anderem die Aufgabe gebe sich um meine Emotionen zu kümmern). So kann ich meine Emotionen an einem Ort behalten, wo sie sicher sind, wo ich sie sehen kann und ich ihnen die Aufmerksamkeit geben kann die sie brauchen um sich in Luft aufzulösen. Immerhin ist das das Einzige was mein Inneres Kind möchte: dass ich meine Gefühle sehen und erkennen kann. Unser Inneres Kind braucht keine Analysen der Gefühle, es möchte lediglich gesehen und gehalten werden. Der Grund weshalb so viele von uns mit diesen alten Gefühlen rumlaufen, ist weil wir niemanden finden konnten der diesen Gefühlen einen sicheren Ort geben konnte - nichtmals wir selber konnten und diesen Gefallen tun. Deswegen bedeutet Heilung, dass du einen Ort kreiert hast wo dieser Schmerz gesehen und erkannt werden kann, und nicht dass es den Schmerz nicht mehr gibt.

Indem wir uns selber Geschichten erzählen über was uns widerfahren ist oder wir den Schmerz weg rationalisieren, nehmen wir unserem Inneren Kind die Chance um seine Gefühle zu spüren. Seitdem ich als Erzieherin im Hort arbeite, weiß ich wie wichtig es ist für Kinder um einfach gesehen und gehört zu werden. Egal wie traurig oder wütend das Kind ist, wenn es wirklich die Möglichkeit kriegt um seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen und seine Wahrheit einfach erkannt wird, wirst du überrascht sein wie schnell es das Gefühl danach loslassen kann und teilweise wegläuft als wäre nichts passiert (dies ist übrigens genauso wichtig für positive Emotionen).

Zurück zum Inneren Kind. Wenn wir es nicht hinkriegen unser Inneres Kind einfach zu sehen mit dem Schmerz den es mit sich herumträgt, wird es sich früher oder später wieder bei dir melden, in der Hoffnung, dass es einen besseren Tag erwischt wo du in Lage bist es einfach zu erkennen. Das Innere Kind nimmt den Schmerz zwar mit wenn es sich wieder in den Hintergrund verkriecht, aber es hält sich weiterhin am Schmerz fest und wird mit genau diesem Schmerz eines Tages zurückkehren. Und die Chance ist groß, dass es genau an dem Tag kommt wenn es das Gefühl hat, dass du bereit bist es zu umarmen. Aus dem Grund kommt der Schmerz genau dann wenn du dich stärker und sicherer fühlst wie je zuvor. Wenn du erstmal einen Weg gefunden hast um den Schmerz einfach zu sehen, wirst du feststellen, dass der Schmerz zwar schmerzhafter ist als erwartet, aber es auch viel schneller wieder verschwunden ist. Du wirst feststellen, dass der Grund weshalb der Schmerz kontinuierlich anwesend war, nicht der Schmerz selber war, sonder die Tatsache, dass du dich energetisch mit dem Schmerz verbunden hast über die Geschichte die du dir fortwährend erzählst. Wir erlauben unserem Inneren Kind um weiterhin an dem Schmerz festzuhalten, indem wir es ignorieren und stattdessen den mentalen Geschichten all unsere Aufmerksamkeit schenken.

Der Schmerz den du erfährst hat nichtmals mit deiner gegenwärtigen Situation zu tun. Die Erfahrung wurde göttlich orchestriert um zu den alten Gefühlen zu kommen, die bisher noch nicht erkannt wurden. Umso mehr du dich für den Schmerz öffnest, umso sensibler du wirst und du nichtmals eine große Geschichte brauchst um diese Gefühle in dir loszulösen. In ihrer Originalform sind die Gefühle oftmals viel intensiver, weswegen ein kleiner Vorfall übermäßig viel Schmerz verursachen kann. Als mir das überkam, dachte ich ich hätte ein paar Schritte rückwärts gemacht auf dem Weg zur Heilung, da ich mir übermäßig emotional vorkam. Jetzt realisiere ich mir erst, dass das ein Teil meiner Heilung war.

Falls du kein großer Fan bist von dem Konzept vom Inneren Kind, dann kann ich dir dieses Phänomen auch perfekt erklärt werden kann mit universellen Gesetzen. Während deiner spirituellen Praxis hast du schon viele Lektionen gelernt und das Universum schickt dir so dann und wann ein “Test” um zu schauen wie gut du deinen Lektionen gelernt hast. Das macht das Universum nicht um dich zu ärgern, aber es ist die effektivste Art und Weise für dich um das Gelernte in die Tat umzusetzen und also dein weiteres Wachstum zu stimulieren. Indem du eine Situation im echten Leben erfährst, kannst du dir selber demonstrieren was du gelernt hast, wodurch die Chance größer wird, dass du das Gelernte verinnerlichst. Diese “Tests” werden wahrscheinlich immer wieder kommen, aber statt dich gegen die Situation zu wehren, wirst du erkennen, dass dieser Schmerz ein wichtiger Teil deiner Heilung ist, was ein deutliches Zeichen ist dafür, dass die Weisheit verinnerlicht wurde. Du ziehst diesen Schmerz also nicht an, weil du negativ vibrierst, sondern weil du bereit bist dich zu erweitern und zu wachsen.

Es ist also nicht die Anzahl der schmerzhaften Situationen die dein Niveau der Heilung indizieren, aber wie du damit umgehst. Indem du dem Schmerz erlaubst um da zu sein, ohne dich selber zu verlassen indem du in deine mentalen Geschichte flüchtest oder indem du darauf wartest, dass ein anderer dich rettet, ist das ein Zeichen dafür, dass du geheilt bist. Die Intensität des Schmerzes sagt nicht so viel aus, jedes Mal, dass ein neuer Schmerz hochkommt, wird der Schmerz mit der Intensität kommen die es braucht um gelöst zu werden. Wenn der Schmerz sehr groß war, dann kann es sich überwältigen, aber solange wie du in der Lage bist um dir selber zu gestehen um überflutet zu werden, wirst du wissen, dass du geheilt bist. Lediglich dein Widerstand gegen die Gefühle und die Realität ist ein Zeichen dafür, dass du noch nicht ganz da bist. Natürlich es ist einfach unsere Gefühle zu akzeptieren wenn wir gerade eine neue Einsicht hatten und wir auf Wolke 7 schweben, aber wir können nur geheilt sein, wenn wir auch die schmerzhaften Gefühlen akzeptieren können, die nun Mal ein unvermeidlicher Teil unserer Erfahrung sind.

Ich hoffe dieser Post hat dir geholfen die Rolle deiner negativen Emotionen auf deinem Weg zur Heilung zu verstehen. Je mehr du den Schmerz und das Unbehagen als einen wichtigen Verbündeten für deine Expansion akzeptierst, umso weiter wirst du auf den Weg der Heilung kommen. Du wirst merken, dass je weiter du auf diesen Pfad kommst, umso mehr ungepflegte Wunden du begegnen wirst. Und je mehr Wunden du begegnest, umso heiler wirst du. Es wird nicht mehr dein Ziel sein um keine negativen Emotionen mehr zu spüren, aber stattdessen eine friedliche Art und Weise zu finden ihnen zu begegnen. Wenn es uns gelingt negative Emotionen zu spüren ohne uns in unsere mentalen Geschichten zu verheddern, werden wir endlich die Freiheit haben um den unvermeidlichen Schmerz zu erfahren ohne unnötig zu leiden. Es ist sinnlos ein schmerzfreies Leben anzustreben und darum kann das Fehlen des Schmerzes niemals die Endstation der Heilung sein. Die Tatsache, dass du dir erlaubst den Schmerz zu spüren ist das Zeichen deiner Heilung - die Heilung deiner eigenen Selbstsabotage die dich davon abgehalten hat deine alten Wunden zu heilen.