Katja Laurien

Inspiration auf deiner spirituellen Reise

Warum die Liebe Manchmal Schmerzen Muss

4. Juli 2021 • Katja Laurien

In meinem letzten Post habe ich ein paar falsche Auffassungen über die Liebe geteilt und wie unser Ego es schafft die romantischsten Ideen in schrecklich schmerzhafte Situationen umzuwandeln. Zum Ende erwähnte ich aber auch, dass diese Tendenzen des Egos sehr normal und sogar notwendig sind für unsere Entwicklung, was ich gerne in diesem Post mit dir besprechen möchte.

Wenn du schon mehrere meiner Posts gelesen hast, dann wirst du wissen, dass ich nicht unbedingt gegen unser Ego bin - im Gegenteil. Meiner Meinung nach ist unser Ego unser bestes Werkzeug um die Evolution unserer Seele anzukurbeln, wir müssen nur wissen wie wir damit umgehen müssen. Ein Auto ist auch ein hervorragendes Transportmittel, aber es wird einen nicht weit bringen (und kann sogar sehr gefährlich sein!) ohne das Wissen wie man es bedienen muss. Vor allem braucht man allerdings viel Übung. Lediglich trockenes Wissen über das Ego wird uns nicht helfen damit umzugehen, wir müssen erst ein paar Mal von unserem Ego mitgenommen werden damit wir ein Gefühl dafür entwickeln.

Okay, zurück zu den Beziehungen. Du wirst aus meinem letzten Post erschlossen haben, dass man sich in einer Beziehung am besten gegenseitig ganz viel Raum lassen kann und man seine eigene Unabhängigkeit und Selbstwert aufrecht erhalten sollte. Leider sind dies nicht einfach Dinge die wir so entscheiden können. Als ich zum ersten Mal so eine unkomplizierte und einfache Beziehung miterleben durfte, hatte ich schon einen langen Weg mit meinem Ego hinter mir. Meiner Meinung nach erlebt wohl kaum einer von uns einfach so diese Zentriertheit in einer Beziehung ohne vorher innere Arbeit geleistet zu haben, vor allem nicht in der Anfangsphase wo die Hormone durch unseren Körper jagen.

Wann immer wir versuchen unsere Gefühle zu kontrollieren, unterdrücken wir sie automatisch. Wenn wir uns also dabei ertappen zu denken wir sollten ruhig und zentriert sein, statt dass wir einfach ruhig und zentriert sind, dann folgen wir immer noch unserem Ego welches uns in einen Teufelskreis führt. Je nachdem wie groß unsere Angst vor dem Kontrollverlust ist, wird es uns vielleicht sogar gelingen unsere Gefühle zu unterdrücken und meinen wir sogar es wäre “echt”, aber früher oder später kommen wir dann doch wieder in einer Situation wo unsere Hormone wieder die Kontrolle über unseren Körper übernehmen, wir unsere Beherrschung verlieren, wir wie besessen sind von unserem Partner und unser Selbstwert den Bach hinunter geht…

Wo ist es schief gegangen? All die Jahre haben wir so sehr versucht nicht diese “falsche” Liebe auf unseren Partner zu projizieren und jetzt müssen wir uns doch wieder geschlagen geben…Vor allem für die Menschen auf dem spirituellen Pfad ist dies sehr schwierig zu akzeptieren. Sie wissen sehr wohl wie das Ego funktioniert und versuchen mit aller Macht sich gegen die destruktiven Muster der Abhängigkeit und Vergötterung zu wehren. Aber solange wie sie ihrem Ego mit Scham und Vorwürfen entgegnen, ermöglichen sie es sich nicht um ihr Herz wirklich öffnen zu können.

Wir sollten uns dessen bewusst sein, dass unsere Seele eigentlich genau auf diesen Moment wartet indem wir die Kontrolle verlieren. Kommen wir zurück zur Metapher des Autos: Das Auto muss sich bewegen damit wir fahren lernen können. Auch unser Ego sollte “eingeschalten” sein damit der Lernprozess anfangen kann. Es wird wirklich Zeit die Idee loszulassen, dass “gute” Menschen keine aktiven Egos haben. Wir haben alle aktive Egos und im Grunde genommen ist es gerade ein Zeichen der Bewusstwerdung, wenn wir unserem Ego gestatten können an die Oberfläche zu kommen.

Instinktiv wissen wir alle, dass die Reaktion unseres Egos aus einer sehr tiefen Ecke unseres Unterbewusstseins kommt. Diese Reaktionen sind oftmals sehr intensiv, vor allem nachdem sie für längere Zeit unterdrückt sind. Dementsprechend ist es also sehr mutig um diese Reaktionen an die Oberfläche treten zu lassen. Mit der Hilfe von diesen Reaktionen können wir anfangen uns selber so zu beobachten wie wir sind: menschliche Wesen mit Ego-Reaktionen.

Das Geheimnis liegt darin der Beobachter zu werden. Da wir wissen, dass wir nicht unser Ego sind, sind wir nicht in Gefahr, wenn wir unser Ego beobachten und es gestatten uns unsere Seiten zu zeigen die noch geheilt werden müssen. So lernen wir unser Ego zu navigieren, damit es uns nicht endlos im Kreis herumrennen lässt. Indem wir uns mit uns selbst verbinden in den Momenten der emotionalen Krise und Hoffnungslosigkeit, ohne das Bedürfnis etwas daran zu ändern, können wir zurückkommen zu unserer Wahrheit - und damit zur Wahrheit der wahren Liebe.

Sobald wir unsere Wunde beobachtet haben, die Quelle unseres Schmerzes und unserer Unsicherheit entdeckt haben, werden wir dazu imstande sein auch andere mit ihrer Menschlichkeit bedingungslos akzeptieren zu können und gleichzeitig ihre Perfektion erkennen zu können. Wir werden unsere Partner ohne jegliche Reaktivität beobachten können während sie gefangen sind in ihrem Ego, genauso wie wir uns selbst auch beobachtet haben. Indem wir unseren eigenen Schatten entmystifizieren und erkennen, werden wir auch offen sein die Schattenseiten unseres Partners erkennen zu können ohne dadurch verletzt zu werden.

Leider können wir dies nicht mit unserem rationalen Geist lernen. Keiner von uns ist als erleuchteter Meister auf diese Welt gekommen, dementsprechend sollten wir auch nicht von uns selbst (oder anderen) erwarten, dass wir diese Weisheit verkörpern ohne durch die harte Schule des Lebens zu gehen. Die Lektionen sind hart und schmerzhaft und unterwegs werden wir vieles vergessen was wir gelernt haben, werden wir zwei Schritte vorwärts machen und einen rückwärts. Aber wenn wir bereit sind um diese Lektionen zu lernen, um sie zu umarmen und unser Ego als wertvollen Lehrer anzuerkennen, werden wir umso mehr lernen und werden wir der Wahrheit nur noch näher kommen.

Und genau aus diesem Grund müssen wir erst der falschen Liebe zum Opfer fallen, bevor wir anfangen können wirklich zu lieben. Man kann lernen zu lieben und am Anfang gehört es einfach dazu, dass man erst scheitert. Wir erwarten von einem jungen Schulkind auch nicht, dass es vom ersten Schultag an fehlerfrei lesen und schreiben kann. Dementsprechend sollten wir auch uns selber vergeben können dafür, dass wir nicht fehlerfrei lieben können. Wir müssen erst in die Liebesfallen tappen, damit wir mit unserem ganzen Körper und unserer Seele erfahren können was Liebe ist und was es nicht ist. Du kannst einem Kind sagen, dass es seine Finger an der heißen Herdplatte verbrennen wird, aber solange wie es sich nicht verbrannt hat wird es diese Wahrheit nicht wirklich verinnerlichen können.

Liebe ist die Mut sich an jemanden zu binden trotz der Tatsache, dass es schmerzhaft sein könnte. Wenn wir wüssten, dass wir unsere Gefühle kontrollieren könnten und dann eine Beziehung anfangen, ist es nicht mehr mutig. Wenn wir das Risiko laufen in schmerzhafter Abhängigkeit, Bedürftigkeit und Angst festzustecken und nichtsdestotrotz unser Herz öffnen und die Verbindung zulassen - das ist der erste Schritt in der Liebe. Die meisten unter uns brauchen jedoch noch die Kraft der Illusion (“Dieses Mal wird alles gut, weil ich jetzt den Wahren gefunden habe!") bevor wir unser Herz öffnen können und die Reise zur Wahrheit antreten können. Solange wie wir diese Reise mit einer Illusion angehen, müssen wir wirklich an dieser Illusion glauben, müssen wir durch die Illusion hindurch gehen, bevor wir sie platzen lassen können und sie endlich transzendieren können. Es ist unser Ego das uns hilft an der Illusion festzuhalten, Schmerz ist was wir erfahren wenn wir durch die Illusion hindurch gehen und letztlich ist es unser Bewusstsein was uns hilft die Illusion zu durchschauen.

Ich möchte gerne mit dir eine Passage aus dem Buch “Awakening Shakti” von Sally Kempton teilen. In dieser Passage erzählt Sally über die leidenschaftliche romantische Liebe zwischen den Hindu Göttern Radha und Krishna. Ihre Liebe ist das klassische Beispiel einer “Twin Flame” Beziehung - zu intensiv um dauerhaft zu bleiben. Aus diesem Grund müssen Krishna und Radha irgendwann getrennt werden. Natürlich sind ihre Herzen gebrochen, aber genau in diesem Moment entpuppt sich die wahre Kraft ihrer Liebe:

Radha never forgets. For the rest of her life, she spends her days meditating on Krishna. But in her obsession and grief at being seperated from her beloved, something amazing happens. She begins to see Krishna everywhere. The whole world becomes her beloved. Every leaf in the forest, the cows, the household butter churn - everything becomes for her the form of Krishna. In the Indian devotional tradition, her state is called “the bliss of the pain of separation” and it is considered one of the highest of all spiritual experiences. When Radha weeps for Krishna, her tears wash away all veils from the heart and everything becomes the form of her beloved.

- Sally Kempton

Nun ist Radha eine Göttin und kriegt sie es hin ihre volle Aufmerksamkeit auf ihren Geliebten zu richten und dabei trotzdem die Liebe für ihn auf alles andere auf dieser Erde zu projizieren. Wir Menschen können besser nicht unsere Aufmerksamkeit auf eine bestimmte Person richten, sondern eher auf das Gefühl das wir mit dieser Person erfahren. Letztendlich wollen wir nämlich nicht wirklich die Person selber (letztlich sind wir alle eh alle gleich und dementsprechend ist es ziemlich egal wer unser Partner ist), aber wir können trotzdem dankbar das Gefühl akzeptieren das eine Person in uns losgelöst hat. Wenn wir mit diesem Gefühl meditieren (und uns nicht auf die Person konzentrieren), werden wir uns bewusst, dass dieses Gefühl letztlich in uns steckt und wenn wir uns bewusst werden, dass wir die Träger dieses magischen Gefühls sind, dann realisieren wir uns auch, dass wir dieses Gefühl für jeden Aspekt des Lebens erfahren können und nicht nur für unsere Geliebten. Und das ist wahre Freiheit.

Wir müssen uns jedoch diesen Weg zur Freiheit erkämpfen. Ohne Schlamm, kein Lotos. So simpel ist es. Wir müssen uns erlauben uns wegtragen zu lassen von unseren Gefühlen damit sie uns zur nächsten Station führen. Wenn wir es schaffen bewusst zu bleiben mitten in unserem Schmerz, werden wir die Illusion allmählich durchschauen. Wir werden uns bewusst, dass unser Schmerz nicht gewurzelt war in der Abhängigkeit oder der Bedürftigkeit - diese Gefühle haben uns nur geholfen um zu dieser Einsicht zu kommen - nein, der wahre Schmerz lag in der Illusion, dass die Liebe und Glückseligkeit in einer bestimmten Person lagen statt zu erkennen, dass alles in uns selbst liegt. Wir haben uns vor dieser Wahrheit versteckt und das ist was am meisten geschmerzt hat. Die Wahrheit ist, dass wir entscheiden können worauf wir unsere Liebe projizieren wollen - ob nun romantisch oder nicht - solange wir unser Herz nicht davor verschließen und dass die Liebe am besten gedeiht wenn sie sich frei entwickeln kann, ohne das Bedürfnis sie in eine bestimmte Richtung zu lenken.

Wenn wir erstmal unser Herz öffnen für die Tatsache, dass wir Angst haben verletzt zu werden und wir es erlauben verletzt zu werden - dann wird der Schmerz magisch verschwinden. Dies ist der einzige Weg wie wir diesen Teufelskreis des ewigen Herzschmerzes und gescheiterten Beziehungen durchbrechen können. Wir müssen aufhören all unsere Energie daran zu verschwenden uns selbst zu beschützen und müssen uns dieser Welt zeigen. Wir können den Kampf nur gewinnen, wenn wir das Schlachtfeld betreten… Aber wie ein echter Samurai, beruht unser Erfolgsrezept auf eine ganze Menge Bewusstsein. Wir rennen nicht mit verbundenen Augen aufs Schlachtfeld, sondern betreten es bedacht und anmutig, mit einem offenen Herzen und einem wachen Bewusstsein.

Die Mythen über die Liebe sind also eigentlich sehr hilfreich damit wir Schmerz erfahren können. Jeder wird einen anderen Schmerz erfahren und der Schmerz wird jeden in eine andere dunkle Ecke des Unterbewusstseins führen. Aber letztlich wird der Schmerz uns alle zum selben Ort führen: zur Bedeutung der wahren Liebe. Das einzige was wir machen brauchen ist das Feuer der Liebe gestatten unsere egoistische Liebe zu verbrennen, damit das Licht der wahren Liebe anfangen kann zu leuchten.