Katja Laurien

Inspiration auf deiner spirituellen Reise

Das Leben mit einem Offenem vs einem Geschlossenen Herzen

5. September 2021 • Katja Laurien

Wir wollen alle mit einem offenen Herzen leben - theoretisch. Aber in der Praxis schließen die meisten Menschen ihre Herzen doch noch bis zu einem gewissen Grad. Manche tun das unbewusst, andere sind sich dessen bewusst. Die die es bewusst tun, sagen dass sie sich “schützen” wollen vor einem gebrochenen Herzen und betrachten es sogar als eine Form der Selbstliebe um niemand in ihr Herz zu lassen, der sich nicht erst als würdig genug bewiesen hat. 

Das hört sich ja alles plausibel an, aber im Grunde genommen ist es nichts mehr als ein Abwehrmechanismus. Wir wollen uns vor Schmerz schützen und denken dass Menschen die wir nicht lieben uns auch nicht weh tun können. Also haben wir uns dazu entschieden Menschen erst zu “lieben” wenn sie “sicher” genug sind. Aber das Leben ist niemals so simpel und deswegen möchte ich dir gerne ein paar Szenarien darlegen in denen ich illustrieren möchte das diese Form des Selbstschutzes indirekt zu Schmerz führt und das ein offenes Herz ein Schutz bietet vor Leiden - egal ob die Liebe erwidert wird oder nicht. 

Bevor ich mit den Szenarien anfange, möchte ich gerne deutlich machen, dass ein offenes Herz nicht bedeutet, dass man jemandem seine Liebe gesteht und ihn dann bis auf das Bittere nachjagt. Das ist eine Form der Kontrolle und wahre Liebe kontrolliert nicht, sondern erlaubt den Geschehnissen zu fließen - auch wenn das bedeutet, dass Menschen aus unserem Leben fließen. Die Szenarien die ich beschreiben werde kommen oft in romantischen Beziehungen vor, können aber auch in Freundschaft, zwischen Familienmitglieder und sogar Fremden vorkommen. 

Was meine ich genau mit “leben mit einem offenen Herzen”? Es bedeutet einfach, dass wir Menschen sehen können für wer sie sind und nicht eine erwünschte Rolle auf sie projizieren. Wir können sie als Mitmenschen sehen, die eine tolle Persönlichkeit haben und auch ihre Fehler haben. Wenn wir es schaffen uns mit jemandem von Mensch zu Mensch zu verbinden - ohne Erwartungen und Urteil - dann wird es einfach um Gefühle und Gedanken zu teilen. Wenn wir nicht erwarten, dass jemand eine bestimmte Rolle in unserem Leben spielt, dann können wir alle Situationen akzeptieren wie sie sind. Das Leben entscheidet die Rolle die eine Person in unserem Leben spielt, nicht wir. Das einzige was wir machen müssen, ist einfach immer die liebevolle Option zu wählen - sowohl gegenüber uns selbst als auch gegenüber den anderen. Mit einem offenen Herzen zu leben bedeutet oftmals, dass man nichtmals große Entscheidungen treffen braucht, weil das Universum die Situation so in die Wege leiten wird, dass wir letztlich immer unbeschadet davon kommen. 

Wenn man auf der anderen Seite mit einem geschlossenen Herzen lebt, dann dreht sich alles um Kontrolle und darum die eigene Sicherheit zu gewährleisten. Wenn wir uns mit anderen abgeben, dann bestimmen wir welche Rolle sie erfüllen sollten, wie sie uns dementsprechend zu behandeln haben und wie wir das Leben so kontrollieren können, dass sie nicht aus ihrer Rolle tanzen und wir eventuell Schmerzen leiden könnten. Ein geschlossenes Herz ist in erster Instanz daran interessiert sich selbst zu beschützen statt einfach die Verbindung mit einem anderen Menschen unverbindlich zu erkunden. Es hat eine Agenda, ob nun bewusst oder unbewusst, aber diese Agenda erlaubt den Dingen nicht einfach sich zu entfachen, weil alles was sich außerhalb des Skripts abspielt potentiell gefährlich ist. 

Also, fangen wir an mit dem ersten Szenario: Das Herz beider Parteien ist geschlossen. Dies ist natürlich das schlimmste Szenario in dem wir uns begeben können. Wir warten darauf, dass der andere den Schritt macht, damit wir uns selbst nicht in Gefahr bringen brauchen. Während wir vergeblich darauf warten, dass der andere ein Zeichen der Zuneigung zeigt, fangen wir an Groll zu hegen gegenüber den anderen, dafür dass wir diese Zeichen nicht empfangen. Dabei vergessen wir natürlich, dass wir selber auch keine Zeichen geben. Stattdessen fangen wir an an uns selbst zu zweifeln. Wir fragen uns woran es liegt, dass der andere keine Zeit mit uns verbringen möchte und kommen zum Schluss, dass etwas mit uns nicht stimmt. Resultat: Schmerz. 

Dieses Szenario kann aber auch eine andere Wendung nehmen. Für manche Menschen es ist nur sicher um ihr Herz einigermaßen zu öffnen, wenn sie spüren, dass das Herz des anderen geschlossen ist. Die meisten von uns wissen nicht wie es ist mit einem offenen Herzen geliebt zu werden, da nur die wenigsten von uns das gelernt haben. Dementsprechend fühlt es sich also “sicher” an wenn das Herz des anderen (zum Teil) geschlossen ist. Es fühlt sich bekannt (und also sicher) an und zudem wissen wir auch tief im Inneren, dass wir auf diese Art und Weise unser eigenes Herz auch nicht öffnen brauchen. Das eigene Herz geschlossen zu halten und ein anderes geschlossenes Herz anzuziehen, sorgt dafür dass man sich nicht ändern braucht, was ziemlich furchteinflößend ist aus Sicht der Evolution. Wir denken, dass ein geschlossenes Herz uns beschützen wird und bisher haben wir mit diesem Mechanismus auch überlebt, warum sollten wir also das Risiko laufen um ins Unbekannte zu springen? Unterbewusst ist es uns also wichtiger um sicher zu sein als glücklich zu sein.

Offensichtlich passiert all dies auf einer unterbewussten Ebene, aber es ist ein sehr weit verbreitetes Beziehungsmodell. Oftmals ist eine Person der “Verfolger” (denke daran, dass verfolgen nicht bedeutet, dass man ein offenes Herz hat) und der andere reagiert darauf mit Vermeidung. Die Magie dieser Beziehung liegt nicht unbedingt in der tiefen Liebe die die Liebenden miteinander teilen, sondern eher in dem Spiel (und in der Vertrautheit des Spiels). Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel indem Katz und Maus auch regelmäßig mal die Rollen wechseln um das Spiel ein bisschen spannender zu machen. Dieses Spiel ist leider ein Rollenmodell für viele von uns, weswegen es sehr schwer ist es loszulassen. Unsere Eltern, die Gesellschaft und die Medien zeigen uns, dass es normal ist “hard to get” zu spielen, vorsichtig zu sein in der Liebe und dafür zu sorgen, dass jemand unsere Liebe “verdient”, auch wenn das viel Drama involviert. Wir sind schon fast süchtig danach unsere Beziehungen so auszuleben, wenn wir auch nur an einer stabilen Beziehung denken fangen wir spontan an zu gähnen (obwohl wir tief im Inneren zittern vor Angst!). Diese Art der Liebe mag zwar vielleicht spannend sein, aber macht es uns glücklich? Nein. 

In dem zweiten Szenario, ist unser Herz geschlossen und das Herz des anderen offen. Wir benehmen uns wie im ersten Szenario und warten darauf, dass der andere uns Komplimente und Anzeichen gibt, dass er uns wirklich mag. Interessanterweise tut die Person mit dem offenen Herzen das auch, aber weil unser Herz geschlossen ist, kommen diese Anzeichen der Zuneigung und Wertschätzung nicht an in unser Herz. Wir warten auf noch mehr Beweise, weil wir denken der andere hätte das nur aus Höflichkeit gesagt, weil er etwas von uns möchte oder weil er hoffnungslos ist. Menschen mit einem geschlossenen Herzen glauben oftmals nicht an sich selbst, weswegen sie auch nicht glauben können dass ein anderer das tut. Sie trauen der offenherzigen Freundlichkeit nicht, weil sie immer noch denken sie müssten etwas tun um es zu “verdienen”. Wenn jemand ihnen Liebe gibt einfach nur weil sie eine strahlende Persönlichkeit haben, dann fühlt sich das unecht an. Sie laufen weg oder spielen weiterhin “hard to get”. Letztendlich wird die Person mit dem offenen Herzen diese Distanziertheit als ein Zeichen des Desinteresse interpretieren und wird sich auch zurückziehen, aber nicht aus Angst verletzt zu werden, sondern aus Respekt vor der (wenn auch nicht ausgesprochenen) Entscheidung des anderen um den Kontakt nicht fortzusetzen. Damit erfüllen sie auch die selbst erfüllende Prophezeiung des geschlossenen Herzens, der die Liebe unbewusst in Schach gehalten hat. Auch dieses Szenario endet in Schmerz, vor allem für das geschlossene Herz, da sie diese Begegnung als Beweis sehen für ihre Unwürdigkeit. 

Betrachten wir das Szenario Mal aus der Sicht des offenen Herzen. Mit einem offenen Herzen ist es einfach um die Schönheit in anderen Menschen zu sehen und diese auch mit ihnen zu teilen. Es ist ganz natürlich diese Schönheit in anderen und in uns selbst zu sehen und ist nicht unbedingt an ein Ergebnis verbunden. Wir teilen unsere Wertschätzung und Respekt mit den anderen weil das unsere echten Gefühle sind und nicht weil wir Hintergedanken haben. Im Gegenteil, wir wissen dass unser offenes Herz letztendlich jeden wegrennen lässt, dessen Herz noch nicht ganz offen ist. Trotz der Tatsache dass wir wissen, dass unser offenes Herz keine Garantie ist für eine erfolgreiche Beziehung, öffnen wir unser Herz nichtsdestotrotz, einfach weil es sich gut anfühlt. Die Liebe schmerzt auch nie, es sind immer die überfüllten Erwartungen die uns weh tun. Dementsprechend haben wir ohne Erwartungen auch nicht viel zu verlieren.

Wir würden auch nicht wollen, dass jemand uns mag nur weil wir ein Spielchen mit ihnen spielen. Außerdem wissen wir auch, dass jedes kleine bisschen der authentischen Liebe die man mit einem Menschen teilen kann, viel wertvoller ist als das Spiel. Wir sind bereit jemanden zu “verlieren”, weil wir nicht nur die Schönheit in jeden Menschen sehen, sondern auch in jeder Situation. Wenn jemand entscheidet, dass wir zu “langweilig” sind weil sie das Spiel nicht mit uns spielen können, dann lassen wir sie in Liebe gehen. Natürlich tut es immer weh jemanden gehen zu lassen, aber der Schmerz ist pur und ist nicht befleckt mit Selbstzweifel, Scham oder Schuld, weil wir wissen dass unser Wert nicht abhängig ist von dem Urteil eines anderen über uns. Neben dem Schmerz des Verlusts, würdigen wir auch die Momente die wir mit anderen teilen durften. Wir wissen, dass die Momente der Liebe unendlich sind und sie uns niemals genommen werden können. Vor allem aber wissen wir, dass wir uns dieses fürchterliche Katz-und-Maus-Spiel erspart haben und können wir stattdessen einfach uns selbst und unser Leben weiterhin genießen. 

Vielleicht denkst du es wäre besser in einer Beziehung zu sein statt Single zu sein, egal wie instabil die Beziehung ist, aber dann hast du noch nie probiert Single zu sein mit einem offenen Herzen. Wenn dein Herz offen ist, dann kommt die Liebe aus allen Ecken in dein Leben geflossen. Du wirst Liebe aus unerwarteten Quellen erfahren, wodurch du nie mehr das Gefühl hast gebunden zu sein an einer bestimmten Person oder an einer Beziehung um dieses Bedürfnis zu erfüllen. Du wirst dich nicht zufrieden geben mit einer schmerzhaften Beziehung, weil du sie nicht mehr brauchst. Endlich wirst du frei sein in Beziehungen, weil du nicht mehr den Zwang spürst um hinter jemanden herzurennen der dich vermeidet oder wegzurennen vor etwas was sich gut anfühlt. Und denke daran: Du wirst ganz automatisch Menschen mit einem geschlossenen Herzen abstoßen - das ist ein universelles Gesetz. Das einzige was du machen brauchst, ist dich zurückzulehnen, das Leben zu genießen und einfach nur zu lieben. Hört sich gut an, oder? 

Beenden wir diesen Post mit dem meist wünschenswerten Ergebnis: wenn zwei offene Herzen sich begegnen. Mit einem offenen Herzen, ist der Fluß der Liebe schon spannend genug um das Leben zu genießen. Wir sind dann nicht mehr abhängig vom Spiel. Die Tatsache dass wir lieben können ist schon ausreichend genug, egal ob wir denken dass jemand für immer bleibt oder nicht. Wir geben keine Liebe weil wir wollen, dass jemand bleibt, sondern weil wir Liebe geben wollen. Wie wir schon gesehen haben, kann das bei einem geschlossenen Herzen zu Komplikationen führen, aber wenn der anderen genauso ein offenes Herz hat, dann ist das kein Grund um wegzurennen wodurch die Chancen größer werden, dass diese Beziehung langfristig anhält. Aber egal wie lange die Beziehung dauert: Beide Partner genießen jede Sekunde davon!

Nun weiß ich, dass es für die meisten nicht einfach ist mit einem offenen Herzen zu leben und dass es viel Bewusstheit erfordert. Zudem kann der Prozess der Herzöffnung ziemlich unangenehm und sogar schmerzhaft sein. Wir sind es gewohnt unser Herz zu schließen, das ist der Zustand den wir gewohnt sind und es erfordert eine Menge Mut um diese alte Gewohnheit zu durchbrechen. Es dauert wahrscheinlich ziemlich lange, aber es ist nie zu spät diesen Prozess anzufangen.  Es kann auch sehr hilfreich sein die Mechanismen und die Wissenschaft hinter dem Prozess der Gewohnheitsveränderung zu verstehen. Wenn du verstehst was in deinem Hirn geschieht, wirst du auch Verständnis dafür haben, dass du Angst hast und es unangenehm ist. Du kannst mehr darüber lesen in meinem Post über das Verändern von Gewohnheiten. Hauptsache du öffnest in erster Instanz dein Herz für dich selbst. Wenn du dich selbst akzeptieren kannst, die Schönheit in dir selber erkennst, aufhörst dich selbst zu verurteilen und du keine unrealistischen Erwartungen an dir selbst hast, dann kannst du anfangen auch anderen Menschen in deinem Leben so zu begegnen. Lass dich nicht entmutigen von deiner Angst oder dein Unbehagen oder von dem was andere dir sagen - erlaube dir selber einfach ein Leben zu führen in Glückseligkeit, mit einem offenen Herzen!