Katja Laurien

Inspiration auf deiner spirituellen Reise

Warum Wir Nie Glücklich Genug Sind

1. Dezember 2019 • Katja Laurien

Wir Leben in einer Zeit wo alles erdenkliche möglich ist. Macht, Ruhm und Überfluss kann durch jeden erzielt werden und beschränkt sich nicht mehr nur zu wenigen “Auserwählten” der Gesellschaft. Auf eine gewisse Weise ist das toll. Wir haben mehr oder weniger gleiche Chancen und für die meisten Menschen in der westlichen Welt sind die Möglichkeiten unendlich. Leider besorgen diese endlosen Möglichkeiten den meisten Menschen nicht das erhoffte Glück, sondern eher Sorge und Stress. Was geht da schief?

Die meisten von uns betrachten unsere Leistungen als Maßstab für unseren inneren Wert. Als ob unsere Leistungen eine Reflektion sind von dem was in uns steckt. Wenn du in einer Gesellschaft lebst wo es relativ einfach ist ein Bachelor Diplom zu haben, bedeutet es dann nicht, dass du dumm bist wenn du keinen hast? Und wenn du in einer Gesellschaft lebst wo eine freie Partnerwahl herrscht und du bist single, bedeutet das dann nicht, dass du vielleicht nicht liebenswert bist?

Um diesem Gedankengang nicht zum Opfer zu fallen, erfordert das ein hohes Maß an Bewusstsein. Soziale Anerkennung ist schlichtweg in uns allen eingefleischt. Es ist der Grund weshalb ich vier Jahre meines Lebens an ein Studium gewidmet habe womit ich nie etwas anfangen sollte. Während meines Masters wurde mir klar, dass das nicht war was ich wirklich wollte. Ich wusste zwar nicht was ich stattdessen machen wollte, aber eines wusste ich: mein Studentenjob als Kellnerin passte um einiges besser zu mir als ein Bürojob. Ich fühlte mich glücklicher als Kellnerin, im Umgang mit anderen Menschen und in Bewegung, nicht unter Druck von Fristen, Vollzeit auf der Arbeit und gekettet an einen Vetrag. Als ich mich vor mehr als fünf Jahren dazu entschloss mich der akademischen Welt nicht anzuschließen, ertappte ich mich öfters dabei, dass ich anderen erklärte warum ich eine Kellnerin bin. Obwohl ich mich so um einiges glücklicher fühlte, wollte ich gerne, dass andere wussten, dass ich “mehr” war als “nur” eine Kellnerin. Manchmal fühlte ich mich auch minderwertig und fragte ich mich ob ich wirklich die richtige Entscheidung getroffen hatte, obwohl jede Zelle in meinem Körper ja wusste, dass eine Teilnahme an dem gesellschaftlichen Rattenrennen außer Frage war. Wenn meine Umstände ein bisschen anders gewesen wären, hätte ich mich vielleicht selber dazu überredet einen Job zu suchen der zwar mein Verlangen nach sozialer Akzeptanz befriedigen würde, aber nicht das was mich wirklich glücklich macht: Meine Freiheit.

Es ist nicht einfach so eine Entscheidung zu treffen, was glaube ich der Grund ist weshalb so viele Menschen unglücklich sind mit ihren “perfekten” Leben. Ob wir es nun mögen oder nicht, als Menschen sind dazu programmierst soziale Akzeptanz nachzueifern. Und unsere moderne Gesellschaft macht es uns nicht leicht, unseren Status und unsere Leistungen nicht gleichzustellen an unseren Wert als Menschen. Wir sehen was andere alles für tolle Sachen leisten und spüren den Druck mithalten zu müssen. Soziale Medien wie Facebook und Instagram ermöglichen es uns die (positiven Aspekte der) Leben anderer ins Detail zu verfolgen wodurch der Leistungsdruck nur noch zunimmt. Genau wie die Kleine Raupe Nimmersatt hoffen wir, dass wir, wenn wir nur genug Leistungen vollbringen, wir uns eines Tages in einen wunderschönen Schmetterling umwandeln. Leider ist das Leben kein Kinderbuch und so warten wir vergeblich. Statt unser Glückslevel erhöhen wir nur unser Angstlevel.

Es ist tragisch, da wir im Grunde genommen ja die Möglichkeit haben “perfekte” Leben zu führen, aber letztendlich bleibt es nur bei Tagträumen. Nicht weil ein “perfektes” Leben nicht möglich wäre, sondern weil wir das Glück an den falschen Orten suchen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass alles was ich bisher geschrieben habe nichts Neues ist für dich. Intuitiv wissen wir alle, dass dies nicht die Art und Weise ist im Leben Glück zu erlangen. Wie kommt es denn, dass immer noch so viele Menschen sich selber was vormachen und auf diese Art und Weise versuchen das Glück in ihr Leben zu bringen?

Weil die andere Art und Weise furchteinflößend ist. Um wirklich glücklich sein zu können müssen wir uns mit uns selber in Verbindung setzen und müssen wir unsere Selbstliebe wieder pflegen. Und das ist nicht einfach. Genau wie Indiana Jones auf der Schatzsuche, müssen wir auch viele Hindernisse bewältigen und dementsprechend unsere Ängste im Griff überwinden auf der Suche nach unserem Glück.

Es kommt einem viel einfacher vor eine Leistung zu vollbringen statt eine ware Verbindung zu sich selber zu erstellen. Es ist weniger furchteinflößend unsere Disziplin und unseren Fleiß zu konfrontieren statt unseren unkontrollierbaren Emotionen und unbekannten Tiefen unserer Seele in die Augen zu sehen. Und das hat seine guten Gründe. Seit wir klein sind, bringt man uns bei, dass gute Leistungen in der Schule und im Verein “gut” sind und dass starke negative Emotionen “slecht” sind. Außerdem gibt man uns zu verstehen, dass es “sicher” ist sich an die sozialen Normen zu halten und dass normwidriges Verhalten zu unserem sozialen Untergang führen kann. Es macht also total Sinn, dass wir die Tatsache ignorieren, dass das Glück genau darin gefunden werden kann diesen Teil von uns zu umarmen den man uns (unbewusst) beigebracht hat zu verleugnen.

Zum Glück entsteht immer mehr Bewußtsein um diese Thema herum und realisieren immer mehr Menschen sich, dass man das Glück aus einer anderen Perspektive sehen sollte. Statt das Glück in bedingten Leistungen zu suchen, sollte bedingungsloses Glück unsere größte Leistung sein. Und wahres Glück ist nicht abhängig von der Erwartung oder Anerkennung anderer, es liegt in unserer Selbstakzeptanz, dafür wer wir sind und nicht für was wir leisten. Wir müssen mal wieder unseren traditionellen Gedankengang umdrehen um der Wahrheit näher zu kommen: Wir müssen erst uns selbst akzeptieren bevor ein anderer das tun kann. Aber dafür müssen wir uns kennenlernen und uns echt mit uns selbst in Verbindung setzen.

Wie finden wir diese Verbindung zu uns selbst? Es gibt unzählbare Arten und Weisen diese Verbindung herzustellen, welche ich nicht alle mit dir im Detail besprechen werden. Aber ich möchte eine simple Übung mit dir besprechen, die du täglich ausführen kannst und die dir unheimlich helfen wird. Fange an mit Achtsamkeit. Halte inne, atme und schaue nach innen. Diese kleine Aktion macht vielen fürchterliche Angst. Wir haben Angst vor dem was wir begegnen werden wenn wir tief nach innen schauen. Wir haben Angst Dinge zu entdecken über uns selbst die wir lieber nicht wissen wollen. Wir befürchten, dass wir nicht mit unseren ungeklärten Trauma’s umgehen können oder das uns nicht gefallen wird was da tief in unserem Inneren begegnen werden. Was wenn wir nicht mit unseren unangenehmen Charakterzügen, unserem schlechten Benehmen und unseren bösen Gedanken umgehen können? Manche von uns haben sogar Angst vor ihren Träumen. Wir befürchten, dass unser wahres Ich vielleicht etwas möchte was jenseits unserer Grenzen liegt…

Kommen dir diese Gedanken bekannt vor? Dann habe ich schlechte und gute Neuigkeiten für dich. Fangen wir an mit den schlechten Neuigkeiten: Du kommst um diesen Schritt nicht herum! Du wirst zwangsläufig den Schritt in die dunklen und unbekannten Seiten deiner Seele wagen müssen. Aber hier kommt die gute Neuigkeit: Was du begegnen wirst ist nicht halb so schlimm wie du es dir vorstellst. Im Gegenteil. Dies ist der Teil der schon lange darauf wartet wieder mit dir in Verbindung zu treten und es wird sich wie eine freudige Heimkehr anfühlen.

Nachdem du dich mit diesem Teil wieder in Verbindung gesetzt hast, ist an der Zeit zuzuhören was es dir zu sagen hat. Horche auf was du wirklich möchtest und nicht was die Gesellschaft dir in dein Ohr geflüstert hat. Erwarte nicht alle antworten an einem Tag, dieser Prozess wird zeitaufwendig sein. Du wirst zweifelsohne Fehler machen auf dem Weg, aber erfahre auch diese Fehler mit einer guten Portion Achtsamkeit. Behalte die Verbindung zu dir selbst, egal ob du gerade einen Schritt nach vorne machst ohne zwei Schritte nach hinten.

Nach einer Weile wirst du bemerken, dass es immer einfacher wird die Prozesse in dir selbst beobachten zu können. Dein innerer Beobachter wird dich immer öfters davor bewahren übereilte Entscheidungen zu treffen die auf deinem niedrigen Selbstwertgefühl basieren und du nur dazu dienen die Anerkennung und Aufmerksamkeit anderer zu erlangen statt das zu tun wo dein wahres Ich sich wirklich nach sehnt.

Wie ich schon erwähnte kann es sehr furchteinflößend sein um unseren negativen Seiten zu begegnen, aber unsere wahren Ambitionen können einem genauso viel Angst machen (wenn nicht sogar mehr). Erstens, könnte es ja passieren, dass man sich vielleicht sehnt nach etwas was einem nicht den sozialen Status bringt den man sich erhofft. Zweitens kann es ja auch sein, dass man etwas machen möchte, dass einem nicht die finanzielle Sicherheit bringen wird die man gerne hätte. (Stell dir nur vor dein wahres Ich wäre gerne ein Künstler? Das ist doch schon fast gruselig?!) Drittens kann es auch sehr beängstigend sein wenn dein wahres Ich plötzlich größer sein möchte als du dir selbst erlaubst (über die sozialen Normen hinaus wachsen kann potenziell auch gefährlich sein). Ich kann es selber nicht schöner sagen als Nelson Mandela:

“Unsere tiefste Angst ist nicht, dass wir unzulänglich sind. Unsere tiefste Angst ist, dass wir unermesslich machtvoll sind. Es ist unser Licht das wir fürchten, nicht unsere Dunkelheit.”

Ein tiefer Tauchgang in unsere dunkelsten Ängste ist notwendig wenn wir nicht mehr weiterhin die Erfolgsrezepte der Gesellschaft folgen wollen, sondern lieber unseren einzigartigen Pfad zum Glück gehen wollen. Wenn wir die Verbindung zu uns selber erstmal gepflegt haben und unseren inneren Beobachter trainiert haben, werden wir schon schnell Veränderung in unserem Leben wahrnehmen. Das bedeutet nicht, dass wir auf der Stelle Geld, einen super Job und einen Traumpartner haben werden. Es bedeutet dass wir das alles nicht haben werden und wir trotzdem Glück empfinden werden, weil wir nämlich anfangen zu spüren was es bedeutet wenn das Glück wirklich von innen kommt. Das Glück von innen ist nicht abhängig von äußeren Situationen, aber von einem Gefühl der Zufriedenheit über die einfachen Dinge im Leben und das Leben so wie es ist. Es fängt vor allem damit an zufrieden zu sein mit uns selbst, unabhängig von unseren Leistungen.

Betrachte diesen Prozess (nennen wir es mal Leben) als eine Reise. Wenn du auf der Reise bist wartest du doch auch nicht nur auf den Moment wo du wieder im Flieger auf dem Weg nach Hause bist, oder? Obwohl du weißt, dass du Momente erleben wirst wo du in den Problemen steckst, du dich einsam und missverstanden fühlst, freust du dich doch trotzdem auf die Reise, weil du weißt, dass die kleinen Steine auf dem Weg es wert sein werden. Nicht nur werden die schönen Erfahrungen die schlechten überwiegen, die schlechten Erfahrungen werden dir auch dabei helfen die guten mehr zu schätzen und zu genießen. Jeder Reisende weiß, dass es so funktioniert und die Reise deines Lebens ist da keine Ausnahme. Deine Lebensreise wird eine lange Reise sein, das kann ich dir versichern. Und du wirst lange üben müssen dich gegen den Druck der Gesellschaft zu wehren und ruhig zu bleiben in Momenten wo der Druck dich fast erstickt. Nehme dieses unangenehme Gefühl als eine Gedächtnisstütze um dich selbst daran zu erinnern einen tiefen Atemzug zu nehmen und dir bewusst zu werden, dass du genau da bist wo du sein sollst und die nichts erreichen musst außer inneren Frieden und ein Moment der Stille.