Katja Laurien

Inspiration auf deiner spirituellen Reise

Emotionale Abhängigkeit Heilen

3. Mai 2020 • Katja Laurien

“Ich brauche deine Liebe” ist wohl die bekanntesten Botschaften aller Liebeslieder schlechthin. Es ist ein Gefühl das uns allen nicht unbekannt ist und ich bin da keine Ausnahme. Wenn ich nur ansatzweise musikalisch veranlagt gewesen wäre, hätte ich wohl mein eigenes Lied zu dem Thema komponiert. Emotionale Abhängigkeit ist mir leider nicht fremd und ist mir bei den meisten meiner Beziehungen ein treuer Begleiter gewesen. Als mir erstmal bewusst wurde wie destruktiv diese Abhängigkeit eigentlich ist, habe ich alles menschenmögliche versucht um emotional nicht mehr von anderen abhängig zu sein, sondern stattdessen das Glück in mir selber zu finden. Ich bin nun seit zehn Jahren auf dieser innerlichen Reise und habe unterwegs auch schon vieles gelernt und bin immer noch am lernen. Es ist ein unheimlich ausgebreitetes Thema mit vielen Facetten die man unmöglichen in einem Post stecken kann. Nichtsdestotrotz möchte ich trotzdem gerne meine Einsichten mit dir teilen, in der Hoffnung, dass auch du mehr emotionale Freiheit findest.

Also, was meine ich eigentlich mit emotionaler Abhängigkeit? In meinem Fall bedeutete es, dass ich die Kontrolle über meinen Emotionen jemand anderem übertragen habe. Unterbewusst hatte ich mich dazu entschieden, dass meine emotionale Heilung abhängig war von der Liebe die mir ein Anderer geben würde. Ich benutzte Bestätigung von außen um meinen inneren Wert zu beweisen. Folglich hing mein emotionales Wohlbefinden immer davon ab ob ich die Liebe und Aufmerksamkeit erhielt die ich mir erwünschte. Meistens machte ich mich dabei von meinen romantischen Partner abhängig, habe mich aber schon emotional abhängig gefühlt von Freunden und Familienmitglieder.

Ich bin ein sehr emotionaler Mensch, nicht nur in dem Sinne, dass ich meinen Emotionen sehr nahe stehe (ich kann über die kleinsten Sachen heulen und ich LIEBE es!), sondern auch, dass ich ein sehr starkes Bedürfnis nach emotionaler Intimität verspüre. In meinen Beziehung wollte ich mich immer gerne mit meinen Partnern auf einer emotional tieferen Ebene verbinden, indem ich Herzensgespräche führen wollte, mich einsetzte für eine offene und ehrlich Kommunikation und respektvolle Behandlung erwartete. Jedes Mal wenn mein Partner sich nicht meinen internen “Beziehungsregeln” fügen wollte (oder konnte), fühlte ich mich abgewiesen, weggedrückt und vernachlässigt. Das war meine Art und Weise die Macht über meine Emotionen abzugeben: Indem ich von meinen Partnern erwartete, dass sie sich um meine Emotionen kümmern würden gemäß den Regeln die ich gestellt hatte. Um die Sache noch zu verschlimmern, habe ich ihnen nicht nur die Kontrolle über meinen Emotionen übertragen, sondern versuchte zur gleichen Zeit die Kontrolle über ihr liebevolles Verhalten zu erlangen indem ich emotional wurde.

Es wird dich wohl kaum überraschen, dass das Leben mir genau die Männer geschickt hat die sich nun gerade nicht an diese Regeln hielten wodurch ich nur noch mehr den Drang dazu verspürte sie unterbewusst zu kontrollieren was natürlich zu einem dramatischen Machtkampf geführt hat statt zu einer harmonischen Beziehung! Ein typisches Szenario sah ungefähr so aus: Ich wollte gerne Nähe spüren, was mein Partner statt mit einem offenen Herzen mit einem Rückzug erwiderte (wahrscheinlich weil er auf einer energetischen Ebenen schon meine Kontrolle und den Druck verspürte). Das hat mich dann so ängstlich und verunsichert gemacht, dass ich krampfhaft versuchte den Schmerz zu lindern indem ich die Verbindung zu meinem Partner wieder herstellen wollte was ich dann versuchte mit unbewussten Kontrollmitteln wie heulen oder wütend werden. Ich brauch wohl kaum zu sagen, dass die Taktik mir nicht meine erwünschte Nähe brachte, sondern nur zu einem weiteren Rückzug meines Partners führte. Wenn dir dieses Muster bekannt vorkommt, lese dann ruhig weiter…

Es hat mich Jahre gedauert bis ich endlich meine Rolle in diesem Spiel anfing zu verstehen. Ich lernte über das Konzept der emotionalen Abhängigkeit und erkannte mich selber darin. Jetzt wo ich mir bewusst war, dass das Problem nicht unbedingt bei meinen Partnern, sondern auch bei mir lag, veranlasste mich dazu alles zu tun was mich von diesem Elend und meinen Kontrollzwang befreien konnte. Ich brachte mein Bedürfnis nach emotionaler Nähe zum Schweigen und überzeugte mich davon, dass ich zuviel erwartete, dass ich zu “heftig” war und das meine Bedürfnisse übermäßig waren. Ich tadelte mich selber für meine unmöglichen Bedürfnisse und zwang mich dazu ich zu beruhigen. Ich erniedrigte mich selber nicht nur zu einem emotionalen Junkie, sondern machte meine Partner mental auch noch zu “armen emotionalen gebrochenen Kinder”. Zudem benutzte ich ihre emotionale Instabilität als Ausrede dafür, dass sie mich nach Lust und Laune behandeln durften.

Ich hielt den Schmerz aus, weil ich mental einen Masterplan ausgearbeitet hatte. Meine Lösung zum Problem sah ganz simpel aus: Ich würde ganz hart an mir selber arbeiten, bis ich “perfekt” bin. Wenn ich dann endlich die Perfektion erreichen würde, würde mir mein Partner zu Füßen fallen, angezogen von meinem unwiderstehlichen Glanz, würde sich in einen bezaubernden Prinzen verwandeln und wir würden glücklich bis an unser Lebensende leben! Was sich damals wie ein brillanter Plan anhörte, erwies sich als ein Flop.

Es haperte meinem Plan an zwei Stellen. Erstens war mein Hauptgrund dafür mich zu ändern nicht um mir mich selber näher zu bringen, sondern um ein besserer Mensch für mein Partner zu sein, damit der mir dann endlich (!!!) die Liebe und Aufmerksamkeit geben würde wo ich mich so nach sehnte. Im Grunde genommen war das nichts anderes als ein weiterer Versuch die Situation zu kontrollieren. Zweitens versuchte ich nicht unbedingt meine emotionale Abhängigkeit zu heilen, sonder eher sie zu überwinden damit ich selber emotional unabhängig werden würde (In anderen Worten: mich von meinen Gefühlen trennen konnte). Sobald wie ich emotional etwas Distanz von meinen Partner kreiert hatte hörte ich auf sie als Opfer zu betrachten (“Armer Kerl hatte so eine schreckliche Kindheit, wie kann ich nur von ihm erwarten, dass er sich emotional öffnet? Er braucht nur meine bedingungslose Liebe, egal was ich von ihm zurück bekomme!”) und fing an ihnen Vorwürfe zu machen (“So ein Loser! Warum verschwende ich eigentlich meine Zeit mit jemandem der sich nichtmals emotional öffnen kann? Habe ich mich eigentlich auf einen Erwachsenen oder einen Teenager eingelassen? Also, ich bin eine starke Frau die sich selber mehr als alles andere liebt und ich verdiene es mit jemandem zusammen zu sein der meiner Zeit und Energie würdig ist!”). So sieht Heilung nicht aus. Das sind Abwehrmechanismen.

Um ehrlich zu sein haben mir diese Abwehrmechanismen bis zu einem gewissen Grad auch geholfen. Am Anfang war ich zu verletzt um diese Situation anders sehen zu können als durch die Linse der Abwehr. Aber nachdem ich etwas mehr geheilt war und ich mehr Distanz zu meinen Wunden hatte um meine Abwehrmechanismen zu erkennen, konnte ich den wahren Prozess der Heilung antreten.

Schritt 1: Überwinde deine Scham

Was ich jetzt hier als Schritt # 1 aufzähle, war eigentlich meine letzte Einsicht. Aber es war die Einsicht die mir den letzten Rest zur emotionalen Freiheit gegeben hat. All die Jahre ist mir nie bewusst gewesen mit wie viel Scham meine emotionale Abhängigkeit belastet war. Vor allem in den letzten Jahren, wo mein Leben sehr reibungslos verlaufen ist, hatte ich keine Ahnung wie viel Scham da noch in mir schlummert. Aber unsere Scham sitzt tief, sehr tief sogar. Kaum jemand würde sich freiwillig mit seiner Scham befassen, weil es eines der schmerzhaftesten Emotionen ist. Wir verstecken es irgendwo ganz tief in uns, in der Hoffnung nie mehr damit konfrontiert zu werden. Eigentlich ist das sehr traurig, da sich seiner Scham zu stellen sehr befreiend sein kann.

"Ohne Schmerz gibt es keine Bewusstwerdung. Menschen tun alles, egal wie absurd, um ihrer eigenen Seele nicht zu begegnen. Man wird nicht dadurch erleuchtet, daß man sich Lichtgestalten vorstellt, sondern durch Bewusstmachung der Dunkelheit.”

- Carl Jung

Leider ist es nicht immer einfach sich seiner Scham zu stellen, da es sich oft hinter einem anderen Gefühl versteckt und außerdem so intensiv sein kann, dass wir uns direkt damit identifizieren und es nicht mit unserem Innerem Betrachter observieren können. Das heikelste an der ganzen Sache ist, dass nur die kleinste Erinnerung an der beschämenden Situation, uns direkt in das Gefühl zurück katapultieren kann. Scham bildet sich in vielen Schichten und je mehr Schichten man aufgebaut hat, umso schneller kann das Gefühl der Scham ausgelöst werden. In gewisser Weise trägt das natürlich bei zur Scham, da plötzlich ein unbeantworteter Anruf oder eine verspätete Antwort uns eine unangenehme Zeitreise zurück zur emotionalen Abhängigkeit beschert. Die Macht dieser Situation liegt darin, dass wir uns nicht nur an unserer emotionalen Abhängigkeit erinnern, sondern sie richtig wieder erleben, was es schwierig macht zu erkennen was da wirklich vor sich geht.

Wenn du bemerkst, dass du überreagierst und du drohst den Kopf zu verlieren, bleibe ruhig! Du wirst nicht verrückt, das ist einfach nur ein Zeichen, dass irgendwo in dir eine Scham schlummert die darauf wartet entdeckt zu werden. Der einzige Weg um über die Scham hinweg zu kommen, ist es sich der Scham wirklich zu stellen. Versuche nicht diesen Schritt zu überspringen, indem du auf die positiven Aspekte richtest wie etwa Selbstwert und Selbstliebe. Das sind wichtige Aspekte und die brauchen sicherlich auch deine Aufmerksamkeit, aber du musst erst durch die Dunkelheit bevor du wieder ins Licht treten kannst.

Es ist schon mal ein guter Anfang, wenn du dir lediglich eingestehst, dass Scham im Spiel ist. Schaue der Scham in den Augen, erkenne es und benenne es. In meinem Fall musste ich erkennen, dass das Gefühl der Abweisung mich unendlich wertlos hat fühlen lassen. Ich nahm die Abweisung persönlich, weil ein Teil von mir ja eh schon dachte, dass ich nicht genug bin. Die Abweisung hat dieses Gefühl fehlerhaft zu sein natürlich nur noch verstärkt. Da ich ja unterbewusst entschieden hatte, dass ich die Liebe meiner Partner “brauchte”, versteckte sich dieses Gefühl der Scham ganz praktisch unter meiner Angst. Und zwar unter der Angst, dass meine Bedürfnisse nicht erfüllt werden und damit auf einer noch tieferen Ebene, unter der Angst zu “sterben”.

Aus einer kindlichen Perspektive ist diese Angst natürlich sehr legitim, da ein Kind ohne die Liebe und Fürsorge seiner Eltern tatsächlich stirbt. Jedoch bin ich jetzt Erwachsen und zum Glück wurde mir nach einer Weile ja auch bewusst, dass ich die Liebe meiner Partner wirklich nicht brauchte um zu überleben. Es war nicht Mal seine Aufgabe mich zu lieben, das war meine. Diese Einsicht war auf gewisser Weise sehr befreiend, die Konsequenz hingegen nicht so erfreulich. Und zwar war die Angst jetzt weg, dafür kam jetzt die Scham zum Vorschein: die Scham nicht für sich selber sorgen zu können und die Scham dafür, dass man zu schwach ist seinen Partner zu verlassen. Vor allem unsere liebe Familie und Freunde die es wirklich gut meinen mit uns, tragen oft bei zu dieser Scham indem sie uns inständig bitten die Beziehung zu verlassen. Sie zeigen uns indirekt wie “dumm” wir sind um in der Beziehung zu bleiben und wie schwach wir sind indem wir uns von jemand anderen abhängig machen statt uns auf uns selber zu verlassen.

Da wir in unserer Gesellschaft Abhängigkeit gleichstellen mit Schwäche und Unabhängigkeit mit Stärke, kommen wir mit der Idee, dass wir unsere Partner heilen müssten mit unserer “bedingungslosen Liebe”, damit wir eine Rechtfertigung dafür haben weshalb wir in der Beziehung bleiben. Das gibt uns das Gefühl eine wichtige Mission zu haben, die uns ein Gefühl der Stärke verleiht und damit unsere Scham verdeckt. Außerdem können wir uns auf diese Art und Weise auf das problematische Verhalten unserer Partner konzentrieren was uns natürlich ganz bequem von unserem eigenen Schmerz ablenkt.

Leider funktioniert diese “bedingungslose” Liebe, die sich darauf richtet den anderen zu heilen, damit er in der Beziehung bleibt und nach unserer Nase tanzt (Kontrolle!), nicht. Nicht auf Dauer. Früher oder später wirst du zum Scheitern gezwungen. Ausgelaugt und ohne Energie weiterhin zu “lieben”, wirst du dich gezwungen fühlen den Weg aus deiner Beziehung zu “hassen” indem du dir erzählst der andere wäre deiner Liebe nicht wert. In diesem Fall versuchen wir die Scham umzudrehen, indem wir den anderen die Schuld geben. Auch dieses Mal holt die Scham uns irgendwann auf, wenn wir bemerken wie schuldig wir uns dafür fühlen den anderen zu beschämen. Da bleibt uns letztendlich nichts anderes übrig als das Licht auf unsere Scham zu richten (Schritt 3) und eine universelle Wahrheit zu akzeptieren, die ich im nächsten Schritt besprechen werde.

Aber bevor ich zum nächsten Schritt übergehe, möchte ich gerne noch eine Einsicht mit dir teilen die mir enorm dabei geholfen hat meine Scham zu überwinden. Und zwar hat mir der Prozess der Verarbeitung meiner Scham dabei geholfen meine vermeintliche Schwäche als Stärke anzuerkennen. Zugrunde meiner emotionalen Abhängigkeit liegt das starke Bedürfnis danach mich mit anderen zu verbinden und bedeutungsvolle Beziehungen zu hegen. Mir wurde bewusst wie sehr ich es schätze wenn sich andere mir gegenüber emotional öffnen, sich von ihrer verletzlichen Seite zeigen und mit mir interagieren auf einer Art und Weise die mir zeigt, dass sie nicht nur mich wirklich sehen wollen wie ich bin, aber auch sich selber zeigen möchten wie sie wirklich sind. Wie konnte ich mich selber solange dafür “bestrafen” eine Qualität zu haben die ich in anderen so sehr schätzte? War es nicht gerade diese emotionale Transparenz und Klarheit die ich in meinen Partnern suchte? Es hat mich eine Weile gebraucht bis ich endlich herausfand, dass meine “größte Schwäche” eigentlich meine größte Stärke war und dass ich mich dafür nicht schämen brauchte. Anstatt mein emotionales Ich zu verstecken, wird es nun Zeit diesen Teil meines Selbst schamlos auszuleben!

Schritt 2: Akzeptiere unsere Einheit/Verbundenheit

Um wirklich von unserer emotionalen Abhängigkeit heilen zu können, müssen wir nicht nur unsere eigene Unschuld erkennen, sondern auch die des Anderen. Jedoch nicht indem wir die “Schwäche” des anderen erkennen oder ihre Unfähigkeit bedeutsame Verbindung zu kreieren akzeptieren aber indem wir den anderen als uns selbst erkennen. Wir sind alle menschlich, wir machen alle Fehler und wir haben auch alle unsere Stärken. Wir haben alle Bedürfnisse und Wünsche unter denen wir bis zum gewissen Grad leiden. Aber was uns wirklich Schmerzen bereitet, ist der Gedanke, dass wir getrennte Wesen sind, dass wir irgendwie anders sind. Wir fügen uns selber Schmerzen zu indem wir entweder denken, dass unser Bedürfnis nach Nähe nichtig ist (weil andere dieses Bedürfnis nicht haben) oder indem wir uns sagen, dass wir die Liebe eines anderen brauchen um zu heilen (da wir selber dazu nicht imstande sind). Andere Menschen werden nie mehr oder weniger Macht als wir selber, da wir alle in der Essenz gleich sind. Nur wenn wir diese Macht entweder weggeben (Ich brauche deine Liebe um zu heilen) oder wir diese Macht beanspruchen (Du brauchst meine Liebe um zu heilen), wird es problematisch.

Ja, Liebe ist wichtig, das bestreite ich ja auch gar nicht. Im Gegenteil: Jeder Mensch ist darauf programmiert sich mit anderen in Liebe zu verbinden. Aber wahre Verbindung ist schlichtweg nicht kontrollierbar. Wahre Verbindung erfordert wahres Mitgefühl. Deswegen ist es wichtig die Idee loszulassen, das wir getrennte Wesen sind, die alle eine andere Rolle spielen, sei es das “Opfer”, der “Verbrecher”, der “gute” oder der “schlechte”. Wir sehnen uns alle nach Liebe und Verbindung, haben aber alle auch einen anderen Hintergrund und gehen darum anders damit um.

Obwohl ich immer diejenige war die aktiv die “Verbindung” gesucht hat, war ich nicht besser als meine Ex-partner indem ich sie als “emotionale gebrochene Opfer” oder “emotional verkrüppelte Vollidioten” abstempelte und versuchte sie zu kontrollieren. Mein Urteil und mein Kontrollzwang machte eine wahre Verbindung genauso unmöglich wie ihr wegrennen das tat. Im Nachhinein finde ich fast lustig zu sehen um zu erkennen, dass mir nie der Gedanke gekommen ist, dass meine Partner vielleicht genauso verzweifelt auf der Suche waren nach Verbindung, aber sie sich auch unbewusst selbst sabotiert haben indem sie weggerannt sind. Immerhin war mein Kontrollzwang und mein Urteil ja auch eher unbewusst.

Aber nur weil jemand etwas nicht absichtlich macht, bedeutet das noch lange nicht, dass man in der Beziehung bleiben sollte. Da wir ja nicht abhängig sind von der Liebe einer bestimmten Person, ist es manchmal die liebevollste Geste um sich zu trennen. Nur weil du dich dazu entscheidest zu gehen, bedeutet das noch längst nicht, dass du deinen Partner dafür verurteilst, dass er sich emotional nicht verbinden kann. Im Gegenteil, indem du bleibst ermöglichst du es deinem Partner in seinem Panzer zu bleiben und weiterhin seinen Schmerz auf dich zu projizieren (und umgekehrt). Wenn du gehst gibst du euch beiden eine faire Chance um sich weiterzuentwickeln und wachsen. Letztlich verlässt du die Beziehung auch nicht, weil der andere dich nicht glücklich machen konnte, sondern weil du dich selbst und den anderen genug liebst um euch beiden einen schönere Situation zu wünschen. Man könnte das festhalten an der Beziehung auch als eine Form der Kontrolle sehen und eine indirekte Art und Weise den anderen abzuwerten, indem man nicht daran glaubt, dass der andere imstande ist eigenständig innerlichen Frieden zu erschaffen. Sich in Liebe loszulassen ist sehr wohl möglich und manchmal für beide Partner auch erforderlich, damit beide lernen selbstständig zu sein und den Weg zu ihrer inneren Liebesquelle finden können.

Schritt 3: Heile dein Inneres Kind

Ich konnte diesen Post natürlich nicht beenden ohne meine geliebtes Inneres Kind zu erwähnen! In den letzten 10 Jahren habe ich alles erdenklich mögliche gemacht um mich von diesem ungesunden Muster zu lösen, wie z.B. Selbstliebe, Vergebung, Achtsamkeit und Übergabe. All diese Aspekte haben mir sehr geholfen die Verbindung zu mir selber zu finden, aber keins davon war so effektiv wie die Aussöhnung mit meinem Inneren Kind.

Im Grunde genommen ist das nämlich der Teil in uns der sich so nach der Verbindung sehnt, der Teil der gesehen, gehalten und akzeptiert werden möchte. Es ist der Teil der wissen möchte, dass es gut genug ist und das es sich nicht schämen braucht für seine Bedürfnisse und Wünsche. Von dem Moment an, dass du dich selber gut genug fühlst, wirst du auch merken wie das Verhalten anderer (Abweisung, Wut, Vernachlässigung etc.) an dir abprallt. Der einzige Grund weshalb du jemals verletzt warst, war weil du dachtest es hätte etwas mit dir zu tun. Sobald du dir bewusst wirst, dass du in deiner Essenz gut bist wie du bist, kannst du das Verhalten deines Partners erkennen für was es ist: Eine Spiegelung seines eigenen verwundeten Inneren Kindes.

Dein Inneres Kind möchte gerne wissen, dass es sich auf dich verlassen kann. Weswegen wir uns so an einen anderen klammern, ist weil unser Inneres Kind befürchtet es könnte die Liebe unseres Inneren Erwachsenen nicht erhalten. Wenn wir lernen wie diese zwei Teile sich miteinander in Verbindung setzen können, werden wir automatisch weniger dazu neigen uns an andere zu klammern. Wir haben ja dann eine zuverlässige innere Quelle, warum sollten wir uns dann noch auf eine unzuverlässige äußere Quelle verlassen? Wir brauchen also nicht mehr andere zu kontrollieren um unsere Bedürfnisse zu erfüllen, was direkt inneren Frieden bringt, auch wenn es einem am Anfang ein wenig Angst macht. Wie soll man denn nach all den Jahren plötzlich auf eigenen Füßen stehen?

Aber du brauchst keine Angst zu haben, da die “Arbeit” im Grunde genommen sehr einfach ist. Viel einfacher als was du ein Großteil deines Lebens gemacht hast. Was unser Inneres Kind am meisten braucht ist emotionale Unterstützung und Akzeptanz. Das ist nicht schwierig, da es schon reicht wenn du einfach nur präsent bist. Zeige deinem Inneren Kind, dass du seinen Schmerz erkennst und das es jetzt auch sicher ist diesen Schmerz zu spüren. Dieser Teil ist so unheimlich wichtig, da wir uns viel zu lange selber dafür beschämt haben “zu emotional” zu sein. Neben einem Inneren Kind haben wir nämlich auch einen Lieblosen Inneren Erwachsenen, der versucht es zu beschützen. Das versucht es indem es entweder das Kind kontrolliert durch es zu beschämen für seine Gefühle (“Jetzt hör doch mal auf zu weinen! Sei nicht so ein Jammerlappen!”) oder indem es weg läuft und das Kind alleine lässt mit seinen Gefühlen und sich währenddessen ablenkt mit Suchtverhalten wie etwa Drogen, Sex, Essen etc. Wie auch immer, unsere Gefühle wurden lange Zeit vergraben und nie wirklich angenommen und akzeptiert. Es ist jetzt aber höchste Zeit diese Gefühle an einem sicheren Ort rauszulassen. Und genau deswegen braucht unser Inneres Kind ganz dringend einen Liebevollen Inneren Erwachsenen, der es akzeptiert, festhält und liebt, ganz so wie es ist. Ohne zu urteilen oder Angst zu haben.

Dass du Gefühle der emotionalen Abhängigkeit verspürst, bedeutet übrigens noch lange nicht, dass du emotional abhängig bist. Die meisten deiner Gefühle finden ihren Ursprung eh irgendwo anders. Höchstwahrscheinlich sind es Gefühle der Scham, Vernachlässigung und Einsamkeit die du verspürst und der einzige Grund weshalb wir uns je emotional abhängig gemacht haben, ist weil wir gehofft hatten jemand anderes würde uns von diesen Gefühlen lösen. Und nur weil du dich angefangen hast dich um dich selber zu kümmern, werden die Gefühle nicht gleich verschwinden. Es wird eine Weile dauern bis sich diese Gefühle legen. In der Zwischenzeit wirst du dich zweifelsohne weiterhin nach (d)einem Partner sehnen. Das ist auch vollkommen okay so. Erkenne einfach deine Gefühle und gestatte ihnen da zu sein ohne den Prozess verschnellen zu wollen (was die Arbeit des Lieblosen Inneren Erwachsenen wäre). Dieser Prozess wird nämlich lange dauern. Jedes Mal wenn zwei Schritte vorwärts machst, wirst du schon bald einen rückwärts machen. Es hat deinem Inneren Kind Jahre gebraucht diese negativen Glaubenssätze über sich und die Welt zu verinnerlichen, dementsprechend wird es auch Jahre dauern diese Glaubenssätze wieder zu beseitigen. Es gibt keine Abkürzungen, kein “spirituelles Bypassing”, keine Verschonung. Der einzige Weg hinaus ist hindurch. Bereite dich darauf vor.

Wir sollten nicht nur unsere Gefühle der emotionalen Abhängigkeit Raum geben sich zu äußern, sondern auch die negativen Gefühle die unser Inneres Kind gegenüber unsere (Ex-) Partner hegt, akzeptieren. Es ist ein Abwehrmechanismus der dabei helfen soll die Verbindung zu unseren Partner zu lösen. Erkenne es als ein solches, aber gieße kein Öl ins Feuer indem du deinem Inneren Kind Recht gibst. Akzeptiere einfach, dass es sich so fühlt. Nachdem es ein bisschen Dampf abgelassen hat, kannst du deinem Inneren Kind immer noch beibringen Mitgefühl für das Leiden anderer aufzubringen. Lass es erkennen, dass wir alle Eins sind. Letztendlich können wir nämlich nur wirklich heilen, wenn wir unsere Vernetzung erkennen und einsehen, dass die Trennung jeglich eine Illusion ist. Dieser Prozess wird nicht über Nacht passieren und du wirst dich immer wieder daran erinnern müssen. Aber glaube mir, am Ende wirst du von weit mehr erlöst sein als nur deine emotionale Abhängigkeit ;)