Katja Laurien

Inspiration auf deiner spirituellen Reise

Die Botschaft deiner Emotionen Verstehen

4. Oktober 2020 • Katja Laurien

Das Gasthaus
“Das menschliche Dasein ist ein Gasthaus
Jeden Morgen ein neuer Gast
Freude, Depression und Niedertracht -
auch ein kurzer Moment von bewusstheit
kommt als unverhoffter Besucher
Begrüße und bewirte sie alle!
Selbst wenn es eine Schar von Sorgen ist,
die gewaltsam dein Haus seiner Möbel entledigt,
selbst dann behandle jeden Gast ehrenvoll.
Vielleicht bereitet er dich vor auf ganz neue Freuden.
Dem dunklen Gedanken, dem Scham, der Bosheit -
begegne ihnen lachend an der Tür
und lade sie zu dir ein.
Sei dankbar für jeden, der kommt,
denn alle sind zu deiner Führung
geschickt worden aus einer anderen Welt.”

- Rumi

Aus meinen letzten Posts ist ziemlich deutlich hervorgekommen, dass das würdigen von unseren Gefühlen, gut und schlecht, meiner Meinung nach äußerst wichtig ist. Wir können diesen Teil einfach nicht überspringen wenn wir unseren Schmerz transformieren wollen und auf spiritueller Ebene wachsen wollen. Auch wenn es manchmal den Anschein macht, dass diese Gefühle unser Leben zur Hölle machen wollen (oftmals genau dann, wenn alles gut läuft), haben sie jedoch eine tiefere Bedeutung. Unsere Emotionen sind unsere Führer, die uns helfen in die richtige Richtung zu gehen, sie beschützen uns, helfen uns unsere Psyche zu stärken und zwingen uns dazu achtsam zu bleiben.

Im Grunde genommen sind sie unser natürliches Reinigungssystem, unsere Art und Weise unsere täglich Erlebnisse zu “verdauen”. Die Probleme tun sich auf, wenn die Botschaft dieser Gefühle im Unbewussten bleibt und wir dementsprechend nicht angemessen mit ihnen umgehen können. Oftmals bedienen wir uns nur an zwei verschiedenen Lösungen: entweder wir äußern unsere Gefühle, oder wir unterdrücken sie. Wenn wir unsere Gefühle ausdrücken ohne die tiefere Bedeutung dahinter zu kennen, tun wir das meistens auf eine unkontrollierte Art und Weise. Wir äußern uns ungezähmt, ohne wirklich unser eigenes Verhalten zu verstehen. Wir fühlen uns missverstanden, alleine und bereuen unser Benehmen. Aber wie können wir von anderen verlangen, dass sie uns verstehen, wenn wir das selber nichtmals tun? Wir fühlen uns von unseren Emotionen kontrolliert und deswegen entscheiden sich viele dazu den Spieß umzudrehen und stattdessen die Gefühle durch Unterdrückung zu kontrollieren.

Das Unterdrücken unserer Gefühle ist viel geläufiger als ich dachte und seit ich mir dessen bewusst bin, überrascht es mich jedes Mal wieder wie schnell und unauffällig es passiert. Wir sind es gewohnt “stark”, “unabhängig”, und “positiv” zu sein, da unsere Gesellschaft uns beibringt, dass dies ehrenhafte und bewundernswerte Eigenschaften sind. Beim ausdrücken der Gefühle fügen wir oftmals unseren Mitmenschen, aber auch selber schaden zu und darum soll es gut sein dieses destruktive Verhalten in Schach zu halten. In gewisser Weise liegt die Gesellschaft nichtmals so falsch, aber dies sollte nicht auf Kosten unserer Emotionen geschehen. Wir leben in einer Gesellschaft wo überwiegend in Dualität gedacht wird und wo Menschen gerne in bestimmte Schubläden gesteckt werden. Meiner Meinung nach es ist an der Zeit um eine holistische Wahrnehmung des menschlichen Daseins anzustreben, in dem wir idealerweise alle Aspekte der menschlichen Erfahrung verkörpern: sowohl das Positive wie auch das Negative.

“Wer zugleich sein Schatten und sein Licht wahrnimmt, sieht sich von zwei Seiten, und damit kommt er in die Mitte.”

- Carl Jung

"Kein Baum, so heißt es, kann zum Himmel wachsen, wenn seine Wurzeln nicht bis zur Hölle reichen.”

- Carl Jung

Und deswegen liebe ich die Arbeit von Carl Jung. Er erinnert uns daran, dass wir uns nicht dazu zwingen können “perfekt” oder “gut"zu sein. Es ist unsere Pflicht um uns unseren Schattenseiten zu stellen und es ist eine Notwendigkeit, wenn wir “ganz” sein wollen. “Ganz” zu sein kommt der Perfektion letztlich am nächsten. Um unseren Schatten in unsere Persönlichkeit zu integrieren müssen wir eine andere Art und Weise finden um mit unseren Emotionen umzugehen. Sie zu äußern oder zu unterdrücken sind nicht die einzigen Lösungen. **Wir können uns auch erlauben die negativen Gefühle an die Oberfläche kommen zu lassen, sie zu sehen, zu erkennen, zu fühlen und von ihnen zu lernen.**Unsere Emotionen müssen nicht zwangsläufig destruktiv sein, wenn wir achtsam und bewusst bleiben.

Letztlich tragen unsere Emotionen eine Botschaft die sie uns gerne mitteilen wollen. Wenn wir die Emotionen äußern ohne uns diese Botschaft anzuschauen, wird die Emotion immer wiederkehren, jedes Mal schmerzhafter. Und wenn wir sie unterdrücken werden sie sich äußern in Suchtverhalten, Neurosen, Zwänge und psychosomatische Krankheiten. Unterdrückung ist nichts mehr als Widerstand und ich kann nicht oft genug betonen wie wichtig es ist um Widerstand loszulassen, um das Leben wieder fließen zu lassen.

“Leiden ist Schmerz mal Widerstand.”

- Buddhistisches Sprichwort

Man kann, zumindest teilweise, den Widerstand loslassen indem man die Emotionen versteht. Wozu dienen sie? Wie helfen sie uns “ganz” zu werden? Was ist die Botschaft des Unterbewusstseins? Welcher Teil unserer Psyche ist im Ungleichgewicht und braucht Aufmerksamkeit? Wenn man etwas wirklich versteht, wird es automatisch einfacher es zu akzeptieren und mit Freundlichkeit zu begegnen. Jede einzelne unserer Emotionen ist wertvoll, wenn wir lernen sie zu ehren und zu respektieren. Nicht nur werden wir freundlich und verständnisvoller gegenüber unsere eigenen Emotionen, aber auch gegenüber die von anderen, da wir wissen dass in ihnen eine unheimliche Kraft verborgen liegt.

Angst - Fördern von Weisheit und Intuition

Der Vorteil deiner Angst wird wohl kein großes Geheimnis sein: Es ist lebensrettend! Ohne Angst wären wir nicht fokussiert und wachsam genug um gezielt unserem Bauchgefühl folgen zu können welches oftmals eine schnelle Reaktion erfordert. Es ist unsere Angst die uns dazu bringt unsere Umgebung sorgfältig abzutasten, vor allem wenn wir in einer potentiell gefährlichen oder neuen Situation sind, wie z.B. beim Autofahren oder wenn wir in einem unbekannten Land reisen. In diesen Momenten ist uns oft nichtmals bewusst, dass unsere Angst aktiv ist und sie uns den nötigen Fokus zur Verfügung stellt, den wir brauchen um adäquat handeln zu können.

In dem Sinne fühlen wir uns mit einer gesunden Angst sehr sicher. Wenn du deine Angst zulassen kannst, dann wirst du spüren, dass dein Instinkt und deine Intuition für dich am arbeiten sind, dass die fokussiert und aufmerksam bist und dass du imstande bist um angemessen zu handeln. Wenn man seine Angst korrekt einsetzt, dann wird das zu einem Scharfsinn und einer Weisheit führen die außerhalb unseres Bewusstseins liegt. Du wirst plötzlich auf eine überraschende, vielleicht unlogische, aber lebensrettende Art und Weise zu handeln wissen, die dir mit deinem bewussten Verstand nicht in den Sinn gekommen wäre. Instinktiv wirst du wissen wie du in unsicheren oder neuen Situation handeln musst, wodurch du dich um einiges geerdeter und zentrierter fühlst, statt ängstlich oder besorgt.

Sich übermäßig Sorgen zu machen ist eigentlich gerade ein Zeichen, dass unsere Angst blockiert ist. Wenn unsere Angst nicht ordentlich funktioniert, funktionieren unsere Instinkte nicht gut, können wir uns nicht gut konzentrieren und fällt es uns schwer die Hinweise unserer Umgebung zu interpretieren. Deswegen fühlen wir uns so ängstlich. Unsere Angst kommt hauptsächlich ins Stocken wenn uns innerliche Grenzen fehlen. Ohne starke und gesunde Grenzen, sehen wir eine Bedrohung in alles und macht unsere Angst Überstunden. Das Problem hier ist also nicht die Angst, sondern die Arbeitslast die wir unserer Angst geben.

Wut - Gesunde Grenzen Stellen

Also, wie reparieren wir nun diese Grenzen? Mit unserer Wut. Unsere Wut wirft Licht auf Grenzüberschreitungen oder gebrochene Grenzen. Sie will uns also entweder beschützen oder uns helfen die gebrochene Stellen zu reparieren. Um das zu erzielen, ist es nicht notwendig seine Wut direkt nach außen zu äußern. Auch wenn du dabei bist deine Grenzen zu stärken die dich vor der Außenwelt schützen, musst die erst deine Grenzen von innern heraus sicherstellen. Welcher Teil von dir braucht Schutz? Welcher Teil muss geflickt werden? Immerhin dient deine Wut deiner Heilung und solltest du also schauen welche Teile in dir geheilt werden wollen, was nie etwas ist was du im Außen finden kannst.

Deine Wut in die richtige Bahnen zu leiten, bedeutet also, dass du deine Grenzen stärkst um deine eigene persönlich Wunde pflegen zu können, damit du dich wieder sicher fühlen kannst. Diese Grenzen sind wichtig, da sie dich davor schützen in zwischenmenschlichen Verstrickungen zu geraten. Gesunde Grenzen sind nämlich eine Voraussetzung für jegliche Beziehung, sei es die Beziehung zu anderen oder zu uns selbst. Ohne Grenzen würden wir jeden Wunsch, jede Forderung, jeglichen Schmerz und Leid von anderen direkt in uns aufnehmen, was uns und die Beziehung auf Dauer auslaugen würde. Mit Hilfe unserer gesunden Wut können wir respektvoll und authentisch unsere Grenzen kommunizieren und können wir auch die Grenzen anderer viel leichter respektieren.

Auch fällt es uns viel leichter zu vergeben, wenn unsere Grenzen wieder intakt sind. Dabei ist es wichtig erst die Grenzen zu stärken und dann erst zu vergeben. Vorzeitige Vergebung kann von unserer Psyche erfahren werden als eine Attacke auf unsere eigene innerliche Festung. Solange wie unsere Grenzen noch in Gefahr sind, ist jegliche Art der Vergebung respektlos gegenüber unserer Psyche, da wir ja seine Botschaft noch nicht verstanden haben und die ursprüngliche Wunde noch nicht geheilt ist.

Ich habe selber diese Art der “gesunden Angst” erlebt ein paar Wochen nachdem mein Partner mich Anfang dieses Jahres verlassen hat. Ich stand direkt hinter seiner Entscheidung, nicht weil ich seiner Meinung war, aber weil ich seine Entscheidung respektierte. Wer war ich um darüber zu urteilen mit wem er in einer Beziehung sein wollte? Aber nach ein paar Wochen packte mich dann doch die Wut. Ich wurde überströmt von purer Wut, die so stark war, dass ich am ganzen Körper zitterte. Ich war unheimlich wütend darüber, dass er einfach aus heiterem Himmel unsere harmonische Beziehung weggeworfen hatte! Wie konnte er mich einfach “wegschmeißen”? Sogar am Tag der Trennung beschrieb er unsere Beziehung noch als “perfekt”, wie konnte er also einfach so gehen? Seine achtlose Art und Weise mit meiner Liebe umzugehen erfüllte mich mit Wut und ich verachtete ihn dafür so ein Feigling zu sein.

Obwohl ich innerlich am kochen war, wusste ich tief im Inneren, dass mein Ego diese Wut auf ihn projektiert hatte. Er war derjenige der diesen Schmerz ausgelöst hatte, aber im Grunde genommen hatte meine Wut nicht mit ihm zu tun und deswegen brauchte ich diese Information auch nicht mit ihm zu teilen. Dies war meine Lektion und ich musste tief in mich hineinschauen um zu gucken wo diese Wut herkam.

Auch wenn die Wut nur ungefähr eine Woche dauerte, habe ich die Energie die es freigesetzt hat über die nächsten Monaten genutzt um die versteckte Botschaft zu entschlüsseln. Mir wurde über die Monate bewusst, dass mich meine Wut auf eine kaputte Stelle an meiner inneren Festung hinweisen wollte: Ich musste mir selber erlauben geliebt zu werden. Ich hatte kaum Grenzen hinsichtlich der Person der ich liebe gab. Solange wie diese Person meine Liebe empfangen konnte, war ich glücklich. Dabei schien es eher unwichtig zu sein ob ich diese Liebe auch zurück bekam. Mein Ex hat mir später auch gestanden, dass er sein Herz nie wirklich für mich geöffnet hat, was mein Gefühl bestärkt hat, dass meine Wut mich davor warnen wollte mich wieder auf jemanden einzulassen, der mich wegen seines geschlossenen Herzens nicht wirklich sehen und schätzen konnte.

Aber wie immer, gehören immer zwei dazu und habe auch ich, unbemerkt, Über die Jahre eine Mauer um mein Herz herum gebaut, welches erstmals meine Aufmerksamkeit erforderte. Meine Schutzmauer bestand aus einem Selbstbild welches ich konstruiert hatte, indem ich mich als stark und unabhängig porträtierte und wo es sehr wenig Platz gab für meine verletzliche und bedürftige Seite. Dadurch war es natürlich sehr schwierig für irgendwen um mich wirklich zu sehen. In diesem Fall war es nicht unbedingt, dass mir eine Grenze fehlte, aber ich hatte eine Grenze aus dem falschen Material gebaut. Meine Grenze war rigide, abgeschottet und einseitig. Für mich war es sicher um Liebe zu geben, aber Liebe zu empfangen machte mir anscheinend sehr viel Angst.

Diese Erfahrung hat mit geholfen an meinen Grenzen bezüglich des Gebens und Empfangens der Liebe zu arbeiten. Ich kann mir jetzt erlauben um meine Liebe an jemanden zu geben der sie auch empfangen kann und kann mir selber auch erlauben Liebe zu empfangen von jemanden der dazu in der Lage ist sie zu geben. Dafür muss ich allerdings in der Lage sein mein wahres Ich zu zeigen, das Ich, dass nicht immer alles auf der Reihe hat, das manchmal Bedürfnisse hat und das sich danach sehnt um geschätzt und gewollt zu sein. Zusätzlich habe ich gelernt, dass ich an meiner eigenen Schutzmauer arbeiten kann, aber es ist nicht meine Aufgabe ist um mich um das geschlossene Herz anderer zu kümmern. Dies hat mir sehr geholfen die Grenzen anderer mehr zu respektieren und nicht mehr zu kämpfen, zu kontrollieren oder zu manipulieren damit jemand meine Bedürfnisse erfüllt.

Ohne die gewaltige Kraft meiner Wut, hätte ich nicht die Kraft gehabt um so tief in meine eigene Psyche zu tauchen und mich mit den gebrochenen Teilen meiner Selbst zu konfrontieren. Wenn ich meine Wut nicht als Botschafter geehrt hätte, hätte ich eine Lektion verpasst für die ich jetzt sehr dankbar bin. Sicherlich hätte ich die wahre Bedeutung meiner Wut übersehen wenn ich entweder alle meine Wut auf meinen Ex abgelagert hätte (und ich nicht geschaut hätte welche Rolle ich in dieser Geschichte gespielt habe) oder wenn ich meine Emotion einfach unterdrückt hätte und ich mich für immer damit zufrieden gegeben hätte ein geschlossenes Herz zu haben. Es ist der mittlere Weg, indem ich weder unterdrückt noch geäußert habe, was mir geholfen hat die Botschaft meiner Seele zu verstehen. Und es hat mir zudem auch noch die Beziehung zu meinem Ex gerettet, da wir jetzt sehr gute Freunde sind :)

Trauer - Loslassen und Entgiften

Gibt es etwas erleichterndes als weinen? Ich fühle mich immer besser nachdem ich wirklich aus dem Herzen heraus geweint habe und ich bin mir ziemlich sicher, dass du mir da zustimmen kannst. Das Ziel der Trauer ist es uns zu helfen, Dinge loszulassen die uns nicht (mehr) dienen. Es hilft uns wieder zurück im Fluss des Lebens zu kommen indem es mentale und körperliche Giftstoffe löst (durch unsere Tränen setzen wir tatsächlich Giftstoffe frei). In dem Sinne ist Trauer unser natürliches Entgiftungssystem und es sollte definitiv als solches geehrt werden.

Wenn du wirklich durch deine Trauer hindurchgehen willst, bedeutet das, dass du bestimmte toxische oder veraltete Verbindungen lösen solltest, an die die du dich bis zu dem Punkt festgeklammert hast. In dem Moment, dass du dir erlaubst dich von einer Person, einer Idee oder einer Situation zu lösen, wirst du dich anfänglich sehr leer fühlen. Du wirst dich erst diesem Schmerz und dieser Leere stellen müssen bevor du zur nächsten Phase übergehen kannst, in dem du dich geerdeter, erleichterter und weiser fühlst als vorher.

Sei dir aber bewusst, dass du erst starke Grenzen brauchst um deine Trauer sicher tragen zu können. Deswegen musst du also erst wirklich deine Wut spüren können, sollte sie da sein. Um zurück zu kommen auf das Beispiel mit meinem Ex, wurde meine Wut gefolgt von einer tiefen Trauer. Ich vermisste ihn sehr, ich vermisste unsere Gespräche, unsere Wanderungen, seinen Humor, vermisste es einfach ihn um mich herum zu haben. Wir hatten eine sehr harmonische Beziehung und dementsprechend blieben mir eigentlich fast nur schöne Erinnerungen. Viele Leute fragten mich auch wie ich ihn so einfach habe gehen lassen können, obwohl er den Anschein machte der Mann meines Lebens zu sein. Im Nachhinein sehe ich, dass meine Wut mir dabei sehr geholfen hat. Meine Wut erlaubte mir meine Grenzen wieder zu reparieren und mir selbst zu gestatten eine Beziehung anzustreben in dem beide Partner sowohl Liebe geben als auch empfangen können. Nachdem mir bewusst wurde, dass ich dieses Ziel nicht mit meinem Ex-Partner realisieren konnte, verfiel ich einen Zustand der tiefen Trauer indem ich die vielen schönen Momente die ich mit ihm gehabt habe würdigen und loslassen konnte. Zudem musste ich auch unsere Träume und Hoffnungen die wir als Paar hatten gebührend loslassen. Wenn ich nicht erst an meinen Grenzen gearbeitet hätte, dann hätte ich meinen Ex wahrscheinlich angefleht zu mir zurückzukommen, gegen den Willen meiner Seele. Oder, wenn ich zu rigide Grenzen gehabt hätte, dann hätte ich mir nichtmals erlaubt diese Beziehung auf energetischer Ebene zu verarbeiten indem ich sie erst ehre und sie dann loslasse. Ich wäre dann in meinem eigenen System stecken geblieben, wäre geplagt von unerklärlichen und ungewollten Gedanken, Gefühle und Verhalten und einem tiefen Gefühl der Verzweiflung. Also, nächstes Mal wenn deine Trauer an die Oberfläche kommt, sorge dafür, dass du gesunde Grenzen hast in der du deine Trauer baden kannst. Erlaube ihr die negativen Energien zu lösen, damit du mehr Platz hast für neue Erfahrungen, Menschen und Ideen.

Scham & Schuld - Einschätzung der Menschlichen Kapazitäten

So wie Wut dir hilft deine Grenzen nach außen hin zu errichten (wie andere mit dir umgehen), so helfen Scham und Schuld dir dabei diese Grenzen nach innen hin zu erstellen (wie du mit anderen umgehst). Scham und Schuld helfen dir dabei dein Verhalten nach außen zu beobachten und zu beurteilen, aber auch wie du mit dir selbst umgehst. Es ist dein persönliches internes Ethikkodex, der dir nicht nur die nötigen Richtlinien zur Verfügung stellt, sondern, wenn du es gebührend würdigst, dir auch die Kraft gibt um Situationen wieder gutzumachen oder eine notwendige Veränderung oder Handlung herbeizuführen.

Wie John Bradshaw es so schön sagt in seinem Buch “Wenn Scham krank macht” (sehr empfehlenswert übrigens!), ist es die gesunde Scham die es uns ermöglicht unsere menschlichen Beschränkungen zu erfahren. Es ist eine demütigende Erfahrung, die uns nicht nur auf den Boden der Tatsachen bringt, sondern uns zur gleichen Zeit auch mehr persönliche Kraft gibt, da wir unsere innerlichen Beschränkungen kennen und uns dazu entschließen unsere Energie innerhalb dieser Grenzen wirken zu lassen. Wir berauben uns letztlich nur unserer eigenen Energie wenn wir versuchen omnipotente Superhelden zu sein, also sollten wir unserer Scham dankbar sein dafür, dass sie uns auf unsere realistische Kapazitäten hinweist. Das erlaubt uns auch verletzlich und bedürftig zu sein, zuzugeben, dass wir Hilfe brauchen, dass wir gesunde Beziehungen brauchen und dass wir nicht alles alleine schaffen.

Scham und Schuld werden toxisch, wenn diese Emotionen nicht eine Reaktion auf eine bestimmte Situation sind, sondern wenn sie internalisiert werden als ein Seins-zustand. Leider ist dies der Fall für viel zu viele unter uns, da Scham oft als “Erziehungsmaßnahme” missbraucht wird. Erwachsene heben dann oftmals das schlechte Verhalten hervor, in der Hoffnung, dass sich das Fehlverhalten in der Zukunft nicht wiederholt. Was Erwachsene hierbei leider oft vergessen, ist das Kinder von Natur aus egozentrisch sind und sie die Machtlosigkeit ihrer Erzieher nicht verstehen. Das resultiert oft darin, dass sie die Scham internalisieren und also nicht denken, dass sie einen Fehler gemacht haben, sondern dass sie einer sind. Dieses Gefühl der inhärenten Fehlerhaftigkeit macht es diesen Kindern in der Zukunft so schwer ihre Fehler wieder gutzumachen. Sie haben von Anfang an das Gefühl zu scheitern.

Wenn Menschen unter toxischer Scham leiten, dann haben sie oftmals Probleme damit ihre Menschlichkeit einzuschätzen. Sie sehen sich entweder als “weniger als menschlich”, wenn sie sich als Versager des Jahrhunderts ansehen, oder aber als “mehr als menschlich”, wenn sie ihre Scham versuchen zu verstecken mit ihrem Perfektionismus. In einer gewissen Weise erlauben Scham und Schuld es uns also um menschlich und unvollkommen zu sein, indem wir unsere innerlichen Beschränkungen erkunden. Diese innerliche Erkundung ermöglicht es uns unsere Kapazitäten so gut wie möglich zu nutzen, damit wir eine gesunde Umgebung sowohl für unsere Mitmenschen als auch für uns selbst erschaffen können.

Hass - Die Dunkelheit Erleuchten

Wenn du jemanden oder eine Gruppe von Menschen abgrundtief hasst, dann ist es an der Zeit um dich nach innen zu wenden. Solche intensiven Gefühle des Hasses und des Abscheus weisen einen immer auf einen verleugneten Teil deiner eigenen Schattenseiten. Wie schon erwähnt, sind wir alle “ganz”, was bedeutet, dass wir alle gut und schlecht, schön und hässlich, schlau und dumm, tapfer und feige, etc. sind. Leider gestattet unsere Gesellschaft uns nur einen bestimmten Teil unseres Selbst zu akzeptieren, was dazu führt, dass wir den anderen Teil tief in unserem Inneren vergraben, welches dann unser “Schatten” wird. Dies sind nicht nur unsere sogenannten schlechten Seiten, sondern können außerordentlich gute Eigenschaften sein die wir in unserer Kindheit aus welchen Gründen auch immer nicht ganz ohne Gefahr äußern konnten.

Wann immer wir Hass gegenüber einen anderen verspüren, sind wir automatisch nicht “ganz”. Wenn wir ganz wären, würden wir nicht den Drang verspüren um andere anzugreifen, andere respektlos zu behandeln oder uns anderen gegenüber überlegen zu fühlen. Hass weist uns also auf den Teil in uns selbst der gerne wieder ganz wäre. Und diesen Teil müssen wir in unserem Schatten suchen.

Hass tritt auf, wenn unser Ego eine Person im Außen gefunden hat auf welches es unser Innenleben projektieren kann. Wie auch in meiner Geschichte über meine Wut, ist es nicht immer notwendig um den Hass auszutragen, sondern eher versuchen zu verstehen was unsere Projektion uns spiegeln möchte. Das Ziel des Hasses ist es unser Bewusstsein zu erwecken und das unbewusste bewusst zu machen - um das Dunkle ans Licht zu bringen. Es weist uns auf den Teil in unserem Inneren den wir (noch) nicht ausleben können, welches aber unbedingt gesehen und erkannt werden möchte.

Nochmals, unser Schatten besteht nicht nur aus “negativen” oder “schlechten” Eigenschaften, wir können auch unsere besten Eigenschaften auf andere projektieren indem wir sie vergöttern oder bewundern. Sich von seinen Projektionen bewusst zu sein ist unheimlich hilfreich, wenn man seine Schattenseiten besser kennenlernen möchte um sie schlussendlich ans Licht bringen zu können. Solange wie unser Schatten nämlich noch im Unterbewusstsein lungert, wirst du weiterhin von deinem Unterbewusstsein “kontrolliert” und wirst du entweder unkontrolliert andere hassen und verabscheuen oder wirst du andere übermäßig vergöttern, was zwangsläufig dazu führt, dass du enttäuscht wirst, da diese Menschen immerhin auch nur menschlich sind.

Letztendlich ist es wirklich kein Problem um andere Menschen nicht zu mögen oder nicht in ihrer Nähe sein zu wollen, aber solange wie sie eine bestimmte Kontrolle auf deine Psyche ausüben in der Form von Projektion und Verstrickungen, musst du auf der Hut sein vor der Botschaft deiner Seele. Indem du deinen Hass ehrst und mit ihm arbeitest, wird es einfacher sein für dich die Menschlichkeit anderer zu akzeptieren, was wiederum dazu führt, dass sie die Macht über dich verlieren. Außerdem wird es dir auch leichter fallen deine eigene (fehlerhafte) Menschlichkeit in aller Vielfalt zu akzeptieren (gut und schlecht), was zu einem Gefühl der Vollständigkeit und, um in Jung’sche Begriffen zu reden, zur Individuation führt. Nur wenn wir unseren Schatten wirklich integriert haben, werden wir fähig sein auch unser Licht scheinen zu lassen.

Eifersucht & Neid - Bewertung der Sozialen Sicherheit

Eifersucht und Neid sind beides Emotionen die wir alle am liebsten begraben würden. Wir schämen uns dafür diese Gefühle zu haben, da wir denken, dass sie unsere Unsicherheit, Unvermögen zu vertrauen und Unliebsamkeit reflektieren der tief in unserem Inneren steckt. Aber wie jede andere Emotion ist es sehr wichtig, dass die Gefühle an die Oberfläche kommen. Die Gefühle können nämlich betrachtet werden als die “Gefahren-Detektoren” unserer sozialen Welt. Wie sicher sind wir in unserer romantischen Beziehung? Und ist unser sozialer Standard garantiert? Oder gibt es da Teile die geheilt und repariert werden müssen um unser soziales Wohlergehen zu fördern?

Eifersucht gibt uns wertvolle Einblicke in entweder das Verhalten unserer Partner oder aber auch in unsere eigenen unbewussten Glaubenssätze. Wann immer wir konfrontiert werden mit Eifersucht müssen wir Klarheit schaffen über ihren Ursprung. Is es wirklich eine Reaktion auf unangepasstes Verhalten deines Partners? Sorge dann dafür, dass du klare Grenzen stellst die deinem Wohlbefinden dienen. In vielen Fällen ist das Problem aber nicht der Partner, sondern ein mangelndes Selbstwertgefühl, welches zu übermäßiger Unsicherheit führt. Versuche die Richtung zu folgen in der dich deine Eifersucht führt. Wo kommt dieses Gefühl der Unwürdigkeit her? Hegst du etwa einen falschen Glaubenssatz der dich davon abhält andere zu vertrauen oder dich innerhalb einer Beziehung sicher zu fühlen?

Statt deine Eifersucht sofort wegzustoßen, solltest du es die Möglichkeit geben dir die Information zur Verfügung zu stellen, die du brauchst um dich sicher zu fühlen innerhalb deiner Beziehung. Du brauchst dich nicht dafür zu schämen, Eifersucht ist sehr natürlich. Unsere romantischen Beziehungen sind ausschlaggebend für unser Wohlbefinden, dementsprechend ist es komplett legitim um einen Vertrauensbruch zu befürchten. Wir haben das Recht unsere Intuition zu folgen und uns unwohl zu fühlen wenn unsere Beziehung womöglich in Gefahr ist. Diese Emotion zu unterdrücken macht es nur schlimmer und führt letztendlich dazu, dass wir unverhältnismäßig reagieren. Erlaube dir das Gefühl hochkommen zu lassen und ganz offen darüber reden zu können ohnen jemanden dabei zu beschämen oder anzuschuldigen.

Neid warnt uns nicht vor der Sicherheit unserer intimen Beziehungen, sondern weist uns eher auf unsere Sicherheit innerhalb der gesamten sozialen Gruppe. Es hilft uns dabei unser Wohlbefinden zu sichern bezüglich Ressourcen und Anerkennung und ermöglicht es uns unfaire Behandlung zu identifizieren. Genau wie bei Eifersucht bedeutet das, dass du womöglich deine Grenzen zur Außenwelt neu stellen solltest, aber es könnte auch bedeuten, dass du deine Innenwelt überprüfen solltest. Versteckt sich etwa in dir ein Glaubenssatz der dich davon abhält dein erwünschtes soziale Wohlbefinden zu erreichen? Unterdrückst du bestimmte Bedürfnisse vielleicht aufgrund eines Kindheitstraumas? Offensichtlich versucht unser Neid uns etwas zu sagen, was uns dabei helfen soll unsere Bedürfnisse zu erfüllen uns glücklich zu sein innerhalb unserer sozialen Strukturen. Es ist also unsere Aufgabe dem Gehör zu geben und herauszufinden was es ist das wir gern hätten und warum wir es nicht erreichen können. Uns zu erlauben unseren Neid wirklich zu spüren wird es uns erheblich leichter machen auf eine gesunde und produktive Art zu agieren damit wir unsere Ziele auch tatsächlich erreichen.

Ich würde diesen Post gerne beenden mit einem Zitat aus dem Buch “The Language of Emotions” von Karla McLaren, welches mich dazu inspiriert hat diesen Post zu schreiben. Wenn du dich weiterhin vertiefen willst in die verborgenen Botschaften deiner Emotionen, dann kann ich dir dieses Buch herzlichst empfehlen. Das Buch bietet mehr Information über die Emotionen und die Wechselwirkungen zwischen ihnen und verfügt auch über Tipps wie du sie besser in dir und in anderen würdigen kannst. Jetzt verlasse ich dich aber mit diesem Zitat, in der Hoffnung, dass dieser Post dich dazu ermutigt hat einen Brücke zu bauen zwischen deinem Unterbewusstsein und deinem Bewusstsein mit dem gezielten Gebrauch deiner wertvollen Emotionen.

“When the psyche has been reintegrated, there is no longer a knee-jerk rush toward distraction, avoidance, addiction or dissociation; therefore the inner world becomes a stable place in which clear thinking can occur and the emotions can be honoured and channeled. When the emotions are allowed to contribute their brilliant and unceasing energies to the psyche, they provide a flowing conveyance into and through the underworld of trauma - they provide the energy and information needed in each part of the journey. When the psyche is integrated, the body can awaken and contribute its memories, abilities and knowledge to the process, while the emotions can help relieve and ameliorate pains, symptoms and behaviours the body brings to consciousness.”